Mittwoch, 29. Mai 2002

Probleme im zweiten Temelin-Block möglich

  • Tschech. Atombehörde: "Auch im Block 2 Abschaltungen"
  • Aussagen über Fehleranfälligkeit empören SPÖ und FPÖ

Die tschechische Staatliche Behörde für Atomare Sicherheit (SUJB) schließt Probleme beim zweiten Temelin-Reaktorblock nicht aus. Die SUJB befürchtet ähnlichen Schwierigkeiten wie jene, mit denen der erste Block zu kämpfen hatte. Im zweiten Block wurde am Freitag die erste Kettenreaktion initiiert. Erwartungsgemäß empörten sich SPÖ und FPÖ über die Prophezeiung neuer Störfälle.

SUJB-Chefin Dana Drabova bestätigte gegenüber der tschechischen Tageszeitung "Pravo" (Samstag-Ausgabe), sie erwarte, dass es auch im zweiten Block zu Abschaltungen des Reaktors kommen werde, aber nicht in so vielen Fällen wie beim ersten Block.

Endgültige Justierung werden erst vorgenommen
"Auch im zweiten Block werden die endgültigen Justierungen erst in den einzelnen Leistungsstufen des Probelaufes durchgeführt", betonte Drabova. Gleichzeitig schloss sie nicht aus, dass die Turbine den Anlauf des Block wie im Fall des ersten Blocks komplizieren könnte. "Es ist nicht ausgeschlossen. Es sollte aber nicht passieren, dass sich dieselben Fehler wiederholen. Das wäre schon eine Schande", sagte Drabova und fügte hinzu, ganz bestimmt werde es keine Schwierigkeiten mit den Regulationsventilen geben, weil diese komplett im ersten sowie im zweiten Block ausgetauscht worden seien. Bestimmt werde man aber auch im zweiten Block die Turbine austarieren müssen, so die SUJB-Chefin.

Aussagen über Fehleranfälligkeit empören SPÖ und FPÖ
Die Aussagen der Leiterin der tschechischen Staatlichen Behörde für Atomare Sicherheit (SUJB) löste am Samstag in Österreich Proteste aus. Als "absolut verantwortungslos und gefährlich" bezeichnete SPÖ-Umweltsprecherin Ulli Sima die Aussagen Drabovas. "Die heutigen Aussagen der tschechischen Atombehörden bestätigen einmal mehr die Richtigkeit des freiheitlichen Standpunkts: Temelin muß stillgelegt werden", reagierte FPÖ-Generalsekretär Karl Schweitzer.

"Der zweite Reaktorblock ist baugleich mit dem bereits in Betrieb gegangenen und mit 31 Pannen behafteten Block 1. Das heißt, er ist auch genauso gefährlich, wenn nicht sogar noch mehr Pannen zu erwarten sind", warnte Sima am Samstag in einer Aussendung. In der Inbetriebnahme von Block 2 des AKWs Temelin manifestiere sich das "Totalversagen der österreichischen Bundesregierung in der Antiatompolitik", so Sima, die einen "Aufschrei" von FPÖ und ÖVP in dieser Angelegenheit vermisst.

Karl Schweitzer fordert vehement Temelin-Stillegung
Die von Tschechien nunmehr selbst zugegebenen zu erwartenden Störfälle würden eine Stillegung Temelins zwingend notwendig machen, konstatierte Schweitzer und erinnerte in diesem Zusammenhang an den Temelinbericht, wo es heiße: "Betrachtet man das Gesamtprojekt, so besteht kein Zweifel, daß das Projekt Temelin in jedem Fall unwirtschaftlich ist. Der Ausstieg wäre ökonomisch und ökologisch sinnvoller." Der Temelin-Ausschuß solle daher nach den tschechischen Wahlen mit dem neuen tschechischen Parlament bzw. der neuen tschechischen Regierung in Kontakt treten und die Wünsche des österreichischen Parlaments darlegen. Ziel solle sein, Tschechien klarzumachen, daß die Fortsetzung des Betriebs von Temelin weder wirtschaftlich noch sicherheitstechnisch einen Vorteil gegenüber der Nullvariante bringe.

29.5.2002 13:05