Wiesbaden: Geiselnahme in Arztpraxis beendet
- Polizei konnte den Täter überwältigen
- 22-Jähriger hielt Ex-Freundin stundenlang in Arztpraxis fest
Aus Hass und Rache hat ein 22-jähriger Mann am Dienstag seine Ex-Freundin beinahe vier Stunden lang in einer Wiesbadener Arztpraxis als Geisel genommen und mit dem Tod bedroht. Die Polizei beendete die Geiselnahme am Nachmittag mit einem gezielten Schuss in den Oberkörper des Mannes. Die 18 Jahre alte Arzthelferin blieb unverletzt, ihr ehemaliger Lebensgefährte aus der Nähe von Koblenz erlitt nach Polizeiangaben schwere Verletzungen.
Die junge Frau aus dem Rheingau hatte sich vor drei Monaten von dem Täter getrennt. Kurz nach Beginn der Geiselnahme in der Praxis, die in einer Fußgängerzone liegt, konnten der Augenarzt und drei weitere Personen aus dem Wartezimmer flüchten.
Einsatzleiter Gerd Meerfeld begründete den Zugriff mit einer sich verschärfenden Gefahrensituation. "Es war mit einer Eskalation zu rechnen." Man habe annehmen müssen, "dass der Täter die beabsichtigte Rache ausführen wird". Der 22-Jährige war mit einer großkalibrigen Pistole bewaffnet. Unklar war zunächst, ob der Mann einen Waffenschein hatte und wie er an die Pistole kam. Der gezielte Schuss der Polizei traf den Mann in Oberarm oder Schulter. Er wurde auf einer Trage aus der Arztpraxis gebracht.
Während der knapp vierstündigen Geiselnahme hatte die Polizei über Zuruf Kontakt zu dem Täter. Der Mann mit indischer Abstammung habe immer wieder mit einem Blutbad gedroht. "Erst wird Du erschossen, dann erschieße ich mich", so wiederholte Polizeipsychologe Klaus Thiessen die Drohungen. Der Täter habe schon seit dem Ende der ein Jahr dauernden Beziehung häufiger sowohl mit Mord an seiner Ex-Freundin als auch mit Selbstmord gedroht. Welchen Beruf er hat, war der Polizei zunächst nicht bekannt.
Der Mann hatte in der Früh die Wohnung der Eltern verlassen, nachdem sie ihm angekündigt hatten, er müsse im Juli ausziehen. Gegen 12.05 Uhr betrat er die Arztpraxis und habe sofort geschossen. "Er ist in die Arztpraxis rein, und es sind Schüsse gefallen", sagte Einsatzleiter Meerfeld. Dabei wurde aber niemand verletzt. Der Arzt wurde kurzzeitig von dem Geiselnehmer bedroht, die drei anderen Personen unbemerkt mit Hilfe der Polizei aus dem Wartezimmer entkommen. Die Polizei wurde von Passanten alarmiert, die die Schüsse gehört hatten. Die Innenstadt wurde weiträumig abgesperrt.
Den Täter beschrieb der Psychologe Thiessen als eine "recht labile Persönlichkeit". Er sei stark emotionalisiert gewesen und habe während der Kontakte mit der Polizei ein "hohes Aggressionspotenzial" gezeigt. Der 22-Jährige habe mit vielen Menschen in seinem Umfeld Konflikte gehabt. Dass sich seine Freundin von ihm trennte, habe er als "extreme Kränkung" empfunden. Der Täter ist nicht vorbestraft, gegen ihn wurde aber wegen Drogendelikten ermittelt.
Familiendrama in St. Pölten16:26
Bluttat: Tochter Zeuge?Vater schoss auf Sohn und richtete sich selbst. Waffenbesitz des 37-Jährigen illegal
Kriminalität20:48
Acht Jahre lang Sklavin19-jährige Deutsche wurde jahrelang misshandelt. Mutmaßliche Täter verhaftet.
Raubvögel vergiftet11:09
Falken ausgerottetBregenz: Taubenzüchter vergiftet gesamte Population am Pfänderstock
