FORMAT: Haiders eiserne Lady
- Trotz andauernder Parteikrisen bestechen ihre Image-Werte
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Trotz permanenter innerparteilicher Krisen, besorgniserregender Umfragedaten der FPÖ und böser Wahlschlappen glänzt die Vizekanzlerin und FPÖ-Chefin mit sensationellen Imagewerten. Unabhängiger von der Gnade Jörg Haiders macht sie das aber noch lange nicht.
Das Führungsteam um Riess-Passer zieht gut zwei Jahre nach der Wende und nach dem Rückzug von Ex-Parteiobmann Jörg Haider auf die einfache Parteimitgliedschaft mit einem mulmigen Gefühl in den Parteikonvent in der Wiener Neustädter Arena Nova. Die Ursachen für das politische Bauchgrimmen: Nachdem Haider die schwarz-rote Vorherrschaft in Österreich gebrochen und die unter ihm verfemte Bewegung in die Regierung geführt hatte, ist einiges schiefgelaufen.
So verbrauchte die FPÖ bereits vier Minister, die Landtagswahlen in der Steiermark, im Burgenland und in Wien haben den Blauen Stimmenverluste bis zu 7,8 Prozentpunkten beschert. Und auch die Bundespartei stürzte von ihrem Rekordwahlergebnis von 27 Prozent (1999) in den Umfragen empfindlich ab und grundelt bei 22 Prozent herum. Vor allem aber: Unter Vizekanzlerin Riess-Passer ist die FPÖ wieder weit hinter ihren Koalitionspartner ÖVP, den die Blauen 1999 erstmals überholt hatten, zurückgefallen.
Denkzettel
Kein Wunder, dass sich angesichts dieser Fakten und rund ein Jahr vor der nächsten Nationalratswahl in der Parteispitze die Sorge breitmacht, ihr könnte am Parteitag ein peinlicher Denkzettel verpaßt werden. Die Bundesparteiobfrau, Vizekanzlerin und Ministerin für öffentliche Verwaltung und Sport gibt sich trotzdem eisern optimistisch. Auf „Zahlenspielereien und Wahlwetten“ will sich die 41jährige nicht einlassen: „Ich werde die starke Unterstützung meiner Delegierten erhalten“.
Vorausgesetzt, Jörg Haider spielt mit
Denn gegen seine Ambitionen läuft in der FPÖ nach wie vor nichts. Und das, obwohl die Tochter eines gelernten Opernsängers und Karniesenvertreters und einer Zolldeklarantin trotz aller Wahlniederlagen, Parteikrisen und Umfragetiefs mit beinahe sensationellen Imagewerten verblüfft.
Riess-Passer Schüssel mindestens ebenbürtig
Laut einer FORMAT-Umfrage des Meinungsforschungsinstituts OGM ist Riess-Passer Bundeskanzler Wolfgang Schüssel „in allen wichtigen Punkten ebenbürtig – wenn nicht sogar weit überlegen“. Die markantesten Details: 43 Prozent der Österreicher halten die studierte Juristin – gleich wie Schüssel – für „sehr geeignet als Bundeskanzler“; Oppositionschef Alfred Gusenbauer trauen das nur 19 Prozent der Befragten zu. Während 41 Prozent Riess-Passer für „besonders sympathisch“ halten, sind es bei Schüssel nur 30 Prozent.
So gut können in der FPÖ Image- und Umfragewerte von Politikern aber gar nicht sein, dass sie auch das innerparteiliche Überleben garantieren. „Die FPÖ funktioniert nach den Prinzipien einer Sekte“, so der Linzer Universitätsprofessor Walter Ötsch. „Das Machtzentrum liegt beim Guru, nur seine Stellung ist unumstritten. Er kann tun und lassen, was er will.“ Dieser Guru heißt Jörg Haider, und der „fordert selbst vom innersten Kreis seiner Gefolgschaft bedingungslose Loyalität“ (Ötsch).
Und die hat ihm die ehemalige FPÖ-Pressesprecherin Riess-Passer beim letzten Parteitag, als ihr Haider mit Tränchen in den Augen und den Worten „Susanne, geh du voran“ die Partei anvertraut hat, unter tosendem Applaus der blauen Delegierten geschworen. Riess-Passer damals: „Lieber Jörg, du kannst dich immer auf mich verlassen. Das ist immer noch die FPÖ von Jörg Haider, das wird immer deine Partei sein.“ Ein Versprechen, das Haider schon oft auf die Probe gestellt hat.
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