Sonntag, 26. Mai 2002

Deutsche Telekom streicht bis Ende 2004 22.000 Jobs

  • Abschreibungen nach VoiceStream-Übernahme lasten auf Bilanz
  • Nach Herabstufung Zugeständnisse an Anleihezeichner

Die mit Milliarden-Verlusten kämpfende Deutsche Telekom will in den kommenden Jahren weiter zehntausende Arbeitsplätze streichen. "Die Telekom steht unter enormem Wettbewerbs- und Regulierungsdruck. Wir planen, bis Ende 2004 rund 22.000 Stellen abzubauen, und zwar so sozialverträglich wie bisher, also ohne Entlassungen", sagte der Vorstandsvorsitzende Ron Sommer in einem Interview in der "Bild am Sonntag".

Damit würden bei der Telekom jedoch weniger Jobs wegfallen als von der Gewerkschaft Ver.di befürchtet. Ihre Vertreter hatten jüngst von einem voraussichtlichen Verlust von bis zu 30.000 Arbeitsplätzen bis Ende 2004 bei dem Bonner Konzern gesprochen.

Schon in den vergangenen Jahren hat die Telekom ihren Personalbestand stark reduziert. Vor gut zehn Jahren zählte die damals noch staatliche Muttergesellschaft rund 230.000 Beschäftigte. In der heutigen Festnetzgesellschaft T-Com ist die Zahl der Arbeitsplätze inzwischen bis auf rund 120.000 zurückgeführt worden. Allerdings wuchs zugleich die Zahl der Konzernbeschäftigten weltweit auf insgesamt fast 260.000, da die Telekom in ihren übrigen Geschäftsfeldern Mobilfunk, Internet und Informationstechnik den Personalbestand vor allem durch Zukäufe im In- und Ausland deutlich ausbaute.

Im laufenden Jahr 2002 wird die Deutsche Telekom nach Angaben ihres Finanzvorstands Karl-Gerhard Eick mit voraussichtlich 5,5 (Vorjahr: 4,7) Mrd. Euro den höchsten Verlust der Unternehmensgeschichte ausweisen. Eick begründete die Ausweitung des Fehlbetrages im Gespräch mit der Tageszeitung "Die Welt" mit der Übernahme des US-Mobilfunkanbieters VoiceStream Mitte vergangenen Jahres.

Bei der 30-jährigen Tranche über 500 Mill. Dollar bot die Telekom den Angaben der Konsortialbanken zufolge einen Renditeaufschlag gegenüber US-Staatsanleihen von 365 Basispunkten. Der Kupon der Dollartranche, die zu einem Reoffer-Preis von 99,167 Dollar kommt, rentiert mit 9,25 Prozent. Nach Angaben von Händlern fielen die Renditen der beiden Euro-Tranchen nach Handelsaufnahme um jeweils 14 Basispunkte, die der Dollar-Anleihe um rund 40 Basispunkte. Der Aktienkurs der Telekom schloss am Freitagabend gegen einen freundlichen Markttrend zwei Prozent schwächer bei 11,95 Euro.

Ursprünglich wollte die Deutsche Telekom bis zu 8 Mrd. Euro am Bondmarkt erlösen, verschob das Geschäft aber und schraubte schließlich die Summe auf Grund der unsicheren Marktbedingungen Anfang des Monats herunter. Zudem sollte der Bond bereits am vergangenen Donnerstag begeben werden. Doch nachdem die Ratingagentur Moody's ihren Ausblick für die Telekom überraschend auf "negativ" von zuvor "stabil" gesenkt hatte, musste die Transaktion verschoben werden.

26.5.2002 17:06