Samstag, 25. Mai 2002

Postbus-Streik endet nach 2 Tagen ohne Annäherung

  • Verwirrung um Streikziel - Streik kostete 1,4 Millionen Euro
  • Betriebsrat mietete Busse für Demonstrationskonvoi

Nach dem 48-stündigen Warnstreik bei der Postbus AG gegen ihre Teilprivatisierung haben sich die Fronten zwischen Belegschaft und Regierung weiter verhärtet. Gespräche zwischen Streitparteien hat es keine gegeben. Dennoch will der Postbus-Betriebsrat nun seine Anliegen noch einmal an alle Verantwortlichen vorbringen. Weitere Streiks wird es zunächst nicht geben. Wie die Forderungen der Streikenden exakt lauten, darüber scheint es Verwirrung zu geben. Der oberste Postbus-Gewerkschafter Robert Wurm relativierte zumindest sein Drängen nach einer Jobgarantie.

"Die nächsten zwei Monate ziehen wir uns auf Aktionismus zurück", sagte der oberste Postbus-Gewerkschafter Robert Wurm am Ende des zweitägigen Warnstreiks am Mittwochabend. Der Streik endet um punkt 24:00 Uhr.

Wurm relativiert Jobforderung
Seine Forderung nach eine Jobgarantie für die Postbusfahrer hat der Betriebsrat am Mittwoch relativiert. Es gehe ihm nur darum, dass dem Postbus "niemand die Arbeit wegnimmt", sprich "dass das Unternehmen Postbus nicht zum Teil an Private weiterverkauft wird", saget Wurm, nachdem zuletzt auch ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch erklärt hatte, dass es eine Arbeitsplatzgarantie gar nicht geben könne.

Verzetnitsch gegen "planlose Teilprivatisierung"
Auch Verzetnitsch spricht sich aber explizit gegen die, wie er sagt, "planlose Teilprivatisierung des Unternehmens" aus. Es könne nicht das politische Ziel sein, eigene Funktionäre mit Posten zu versorgen oder ausschließlich nach der Ideologie "Mehr privat, weniger Staat" zu handeln.

Zu einer möglichen Unterstützung des ÖGB für unbegrenzte Streiks beim Postbus noch im Herbst wollte sich Verzetnitsch nicht äußern. "Diese Frage stellt sich noch nicht. Er gehe davon aus, dass die Regierung die Warnstreiks ernst nimmt", sagte Verzetnitsch am Mittwoch früh bei einer Versammlung von rund 500 Postbus-Mitarbeitern in Wien-Erdberg.

Im Herbst könnte weiter gestreikt werden
Laut Wurm ist ein unbegrenzter Streik im Herbst "nicht vom Tisch". Er hoffe aber bis dahin auf eine Einigung. Die Chancen dafür bezifferte er wiederholt mit 50 zu 50. Er habe den Eindruck, "dass die Regierung zunehmend nervös wird und die Gesprächsbereitschaft dadurch steigt", so Wurm am Ende des Warnstreiks.

Teurer Streik: 1, 4 Mio. Euro
Die Kosten für den 48-stündigen Warnstreik beziffert das Unternehmen mit 1,4 Mill. Euro. Betroffen waren täglich rund 500.000 Fahrgäste, darunter 400.000 Schüler und Lehrlinge. Mit angemieteten Lenkern und Privatbussen hat die Unternehmensleitung nur 10 bis 15 Prozent der Linien aufrechterhalten. Von den 3.000 Postbusmitarbeitern hat es laut Betriebsrat nur 68 Streikbrecher gegeben.

Betriebsrat mietete Postbusse
Darüber hinaus verkehrten rund 200 Postbusse auf Protestfahrten in ganz Österreich. Demonstriert wurde mit den Bussen in Innsbruck, Salzburg, Linz, Graz und Wien. Der Betriebsrat hat die Busse dafür vom Unternehmen angemietet. Die Kosten, die sich aus den gefahrenen Kilometern ergeben, beziffert Wurm mit rund 30.000 bis 40.000 Euro. Für die Kosten kommt die Postgewerkschaft auf.

"Bummelfahrt" in Wien
In Wien waren am Mittwoch 33 Busse unterwegs. Eine "Bummelfahrt" der streikenden Postbus-Chauffeure entlang der Wiener Ringstraße hat zu einem "mittleren Verkehrschaos" geführt, der gefürchtete Megastau blieb aber aus, hieß es aus der Bundespolizei nach den Protesten zur APA.

An Protestkundgebungen vor dem Parlament, dem Verkehrs- und dem Finanzministerium sowie der ÖIAG-Zentrale beteiligten sich nach Angaben der Polizei rund 200 bis 300 Menschen. Die Polizei sprach insgesamt von einer "ruhigen" Kundgebung. Alles sei "in geordneten Bahnen verlaufen", so ein Sprecher.

25.5.2002 08:48