Fiat-Belegschaft wehrt sich mit Streik gg. Stellenabbau
- Tausende Beschäftigte demonstrierten in Turin
Die Belegschaft der italienischen Autogruppe Fiat hat am Freitag zwei Stunden lang die Arbeit niedergelegt, um gegen den massiven Stellenabbau bei Fiat als Maßnahme gegen die Krise am Pkw-Markt zu protestieren. Im Rahmen einer strengen Sanierungsaktion zum Abbau eines Schuldenbergs von 6,5 Mrd. Euro hatte Fiat vergangene Woche die Streichung von 2.887 Arbeitsplätzen bekundet.
Tausende von Personen demonstrierten in Turin gegen den Stellenabbau. Vier unterschiedliche Protestzüge zogen durch Mirafiori unweit von den größten Produktionsanlagen des Turiner Autobauers. "Man muss die Arbeitsplätze verteidigen, weil Fiats Strategie zur Bekämpfung der Krise veraltert ist und uns zu diesem Desaster geführt hat", betonte Gewerkschaftssprecher Claudio Stacchini.
Die Gewerkschaften rufen Fiat auf, einen Entwicklungsplan für das Unternehmen auszuarbeiten. Der Stellenabbau ohne eine Politik zum Neubeginn des Unternehmens sei sinnlos. "Fiat muss seine gesamte Strategie überdenken. Die Besitzerstruktur scheint nicht mehr in der Lage, die zahlreichen Probleme des Unternehmens zu bewältigen. Der Konzern verliert auch im niedrigen Marktsegment an Konkurrenzfähigkeit, wo er bisher am stärksten war", bemängelten die Gewerkschaften.
Fiat-Geschäftsführer Roberto Cantarella bekundete zwar, dass keine italienische Produktionsanlage geschlossen werde, die Krise bewirkt bereits schmerzhafte Effekte. Die Produktion des jüngsten Fiat-Modells Stilo wurde um 40.000 Pkws reduzieren. Mehrere Arbeitnehmer wurden auf Kurzarbeit gestellt. Nach Angaben des Arbeitnehmerverbands CGIL sind insgesamt 12.000 Arbeitsplätze gefährdet. Neben den 2.887 Stellen, die Fiat streichen will, werde die Krise des Turiner Konzerns auch Auswirkungen auf zuliefernde Klein- und Mittelbetriebe haben.
Regierungschef Silvio Berlusconi bekundete, dass sein Kabinett Maßnahmen zur Unterstützung des stark rückgängigen Automarkts in Italien ergreifen werde. Im März und April wurden fast 20 Prozent weniger Autos als in den selben Monaten des Jahres 2000 verkauft. Berlusconi will vor allem den Erwerb umweltfreundlicher Autos fördern. Wegen der EU-Wettbewerbsregelung könne er jedoch keine spezifischen Maßnahmen zu Gunsten Fiats ergreifen, sagte der Premierminister.
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