Postbus streikt 24 Stunden - in den nächsten 14 Tagen!
- Österreichweit - genaues Datum ist noch unklar
- Wurm: "Streik ist letzte Chance, Teilprivatisierung abzuwenden"

·Ministerium
"Belegschaft sorgt sich ohne Grund"
In der österreichischen Postbus AG wird gestreikt. Die 93 Personalvertreter haben einstimmig beschlossen, innerhalb der nächsten 14 Tage österreichweit einen 24-stündigen Warnstreik abzuhalten, sagte der oberste Betriebsrat Robert Wurm. Damit sich das Unternehmen aber nicht auf den Streik vorbereiten könne, werde der genaue Tag erst unmittelbar vor dem Streik bekannt gegeben, so Wurm.
Bei dem österreichweiten Postbus-Streik werden insgesamt 1.600 Busse stillstehen. Nach Schätzung der Gewerkschaft wären durch den für einen ganzen Tag angesetzten Streik rund 500.000 Passagiere betroffen - ein Großteil davon Schulkinder.
Die Belegschaft protestiert damit gegen die geplante Teilprivatisierung des Postbusses. Nach einem jüngsten Beschluss der Regierung wird der Postbus zwar zunächst vollständig an die ÖBB übertragen. Rund ein Drittel des Postbusses muss aber nach der Übertragung "so rasch wie möglich" an Private weiterverkauft werden.
Der Postbus-Betriebsrat fürchtet dadurch die Einstellung von zahlreichen unrentablen Linien und den Verlust von rund 1.000 Arbeitsplätzen. "Das ganze Unternehmen wird dadurch zerstört", kritisiert Wurm.
Wurm: "Letzte Chance, Teilprivatisierung abzuwenden"
Postbus-Betriebsrat Robert Wurm sieht in dem ersten österreichweiten Streik in der Geschichte des Postbusses die letzte Chance, die Teilprivatisierung abzuwenden. "Wir streiken nicht, weil wir höheren Lohn wollen, sondern weil unsere Arbeitsplätze in Gefahr sind. Hier geht es um einen richtigen Arbeitskampf", sagte Wurm weiter zur APA.
Das Vorgehen der Regierung sieht Wurm als politische Willkür. In einem Anhang zum Ministerratsvortrag vergangene Woche heiße es wörtlich, dass eine Variante auch wäre, "den Postbus bis Ende 2004 als eigene Gesellschaft zu belassen. Aber um es politisch verwertbar zumachen, muss diese Transaktion zur ÖBB noch vor den Nationalratswahlen 2003 erfolgen", zitiert Wurm den Anhang. "Für ein Wahlzuckerl opfert die Regieung die Nahversorgung und das Unternehmen mit seinen 3.000 Mitarbeitern", begründet Wurm die Protestmaßnahmen.
Mit Rückendeckung von ÖGB
In seinen Streikplänen erhält der Postbus-Betriebsrat auch Rückendeckung vom ÖGB und der Postgewerkschaft. Der ÖGB hat einem Postbusstreik bereits vor längerem zugestimmt. Postgewerkschafter Martin Palensky erklärte am Mittwoch gegenüber der APA, die gesamte Gewerkschaft stehe hinter den Maßnahmen. Bei der Teilprivatisierung des Postbusses drohe die Ausdünnung der Versorgung des ländlichen Raums. Die gesamte Postgewerkschaft werde daher den Streik unterstützen.
Geplant sind Solaritätskundgebungen in der gesamten Postgewerkschaft. Arbeitsniederlegungen außerhalb des Postbusses wird es aber nicht geben.
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