Sonntag, 26. Mai 2002

Vor FIFA-Wahl: Hayatou glaubt an seine Chance

  • Kameruner setzt auf Harmonie und Gerechtigkeit
  • "Habe schon 103 der der 204 Stimmen sicher"

Ein Revolutionär will Issa Hayatou nicht sein. "Verändern nur um zu verändern, das ist nicht mein Ding", sagt der 56 Jahre alte Kameruner. Beim Kongress des Weltverbandes FIFA am Mittwoch in Seoul strebt der Chef des Afrikanischen Verbandes (CAF) das höchste Amt im Fußball an. "Hayatou", meint ein Reporter der Kameruner Tageszeitung "Tribune", "hätte sich nicht gegen Sepp Blatter aufstellen lassen, wenn er sich nicht eine absolute Chance ausrechnen würde."

Nach 28 Jahren im Geschäft mit dem Spitzenfußball hat der 56-Jährige in seinem westafrikanischen Heimatland einen Ruf als gerissener, cleverer Sportpolitiker erlangt. Der anerkannte Funktionär war erst 41 Jahre alt, als er 1988 zum ersten Mal CAF-Präsident wurde. Drei Mal ist er seitdem wiedergewählt worden. Als "Kämpfer für Gleichheit im Sport" machte Hayatou sich beliebt, indem er die Posten an der CAF-Spitze gleichmäßig auf alle Mitgliedsverbände verteilte.

Von der Leichtathletik zum Fußball
Das Streben nach Gerechtigkeit und Harmonie, meinen viele Landsleute, habe ihm sein Vater mit auf den Weg gegeben. In Hayatous kleiner Gemeinde im Norden Kameruns war dieser nämlich "Lamido", der Häuptling der Region. Sohn Issa wurde am 9. August 1946 in der Kleinstadt Garoua geboren. Während sein älterer Bruder Sadou in den 90er Jahren Premierminister wurde, schlug Issa die Sport- und Pädagogenlaufbahn ein. Als ehemaliger Basketballer und Champion im 400- und 800-Meter-Lauf wurde der ausgebildete Sportlehrer zunächst Leichtathletik-Trainer. Von der Aschenbahn wechselte er an den Schreibtisch, um in die Fußball-Verwaltung einzusteigen.

Von 1976 bis 1982 war er Generalsekretär des Fußball-Verbandes von Kamerun. Bevor er 1988 CAF-Präsident wurde, war er vier Jahre lang Sportdirektor seines Landes. Seit vergangenen Dezember ist der FIFA-Vizepräsident auch Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees (IOC).

"Habe schon 103 der 204 Stimmen sicher"
Auch nachdem er 1998 einmal vor laufenden Fernsehkameras bei einem Nickerchen während eines WM-Spiels in Frankreich ertappt wurde, zweifelt in Hayatous afrikanischer Heimat niemand an seinem wachen Sinn für Chancen: "Ich habe schon jetzt mindestens 103 der 204 Stimmen der FIFA sicher. Und damit werde ich die Wahl gewinnen", tönte er in einem Internet-Chat mit BBC-Hörern. Dass ausgerechnet Kameruns Fußball-Legende Roger Milla sich öffentlich auf die Seite von Hayatous Rivalen Joseph Blatter stellt, tut er als Nichtigkeit ab: "Er hat ja keine Stimme, um gegen mich zu wählen. Er kann Kamerun nicht befehlen, nicht für Issa Hayatou zu stimmen. Und außerdem ändert er seine Meinung ohnehin ständig."

Hayatou will interne Kämpfe abstellen
Sollte er die Wahl gewinnen, will er vor allem mehr Transparenz, Demokratie und Harmonie in die FIFA bringen. "Ich werde alle Familienmitglieder dazu aufrufen zusammenzuarbeiten", sagt er. "Momentan wird in der FIFA gekämpft, und das ist nicht gut für den Fußball." Er trete an, um Kopf des Weltfußballs zu sein, sagt Hayatou und betont: "Ich kann Afrika keine spezielle Behandlung zukommen lassen." Das, meinen seine Fans anerkennend, sei schließlich auch ein revolutionärer Zug.

26.5.2002 17:48