Petritsch beendet Job als Bosnien-Beauftragter
- Nach fünf Balkan-Jahren wird er UNO-Botschafter in Genf
·Interview
Petritsch für Bos- nien zuversichtlich
·Bosnien
Petritsch-Abschied
mit Klage
Am 27. Mai endete die Amtszeit von Wolfgang Petritsch als Hoher Repräsentant für Bosnien-Herzegowina. Der österreichische Diplomat, der insgesamt fünf Jahre lang wesentlich die diplomatischen Geschicke auf dem Balkan mitprägte, übernimmt ab Juni den Posten des österreichischen UNO-Botschafters in Genf.
Bevor Petritsch im Sommer 1999 zum internationalen Bosnien-Beauftragten bestimmt wurde, erlangte er vor allem als EU-Sonderbeauftragter für das Kosovo internationale Reputation.
Während seiner Amtszeit als österreichischer Botschafter in Belgrad (September 1997 bis Juli 1999) wurde der Balkan-Experte zum EU-Beauftragten für das Kosovo ernannt. Petritsch sollte zu einer friedlichen Lösung des Konflikts in der südserbischen Provinz Kosovo beitragen. Als EU-Chefverhandler der serbisch-albanischen Friedensgespräche im französischen Rambouillet (Februar und März 1999) gewann er den Ruf eines zähen, aber ruhigen und gelassenen Verhandlers. Doch auch sein diplomatisches Geschick konnte den Krieg im Kosovo nicht verhindern.
Im August 1999 wurde er zum "High Representative" für Bosnien-Herzegowina ernannt. Primär war Petritsch für die Umsetzung des Dayton-Abkommens (1995), mit dem der Krieg in Bosnien-Herzegowina offiziell beendet wurde, verantwortlich. De facto wurde das Land damals in zwei Gebietseinheiten geteilt (in die bosniakisch-kroatische Föderation und in die bosnische Serbenrepublik). Obwohl auch heute noch viele ungelöste Probleme anstehen, hat es während seiner Amtszeit erfreuliche und positive Entwicklungen gegeben.
Bosnien unterwegs zu einem Staatsganzen
So haben die nationalistischen Politiker in Bosnien-Herzegowina nicht mehr das Sagen, die Kooperation zwischen den beiden "Entitäten" hat sich wesentlich verbessert und vor allem die Rückkehr der im Krieg geflüchteten und vertriebenen Flüchtlinge wurde wesentlich beschleunigt. Dies alles ist zum großen Teil auch dem Diplomaten zu verdanken. Dennoch bleiben auch "Wermutstropfen": Wirtschaftliche und soziale Probleme, Korruption und Kriminalität überschatten das Land und vor allem die beiden meistgesuchten mutmaßlichen Kriegsverbrecher, der ehemalige bosnisch-serbische Präsident Radovan Karadzic und dessen Oberbefehlshaber Ratko Mladic, befinden sich noch immer auf freiem Fuß.
Trotz allem schaffte Petritsch für seinen Nachfolger in Sarajewo, den britischen Ex-Politiker Paddy Ashdown, wesentliche Voraussetzungen für weitere positive Entwicklungen im immer noch von den Nachkriegswehen gebeutelten Land. Dies wissen auch die Menschen in Bosnien-Herzegowina zu schätzen. Vor allem unter den Moslems (Bosniaken) war Petritsch sehr populär.
In Umfragen wurde er des öfteren zum beliebtesten ausländischen Politiker im Land gewählt. Die Zeitschrift "Express" charakterisierte ihn als "ruhigen, gewandten und mutigen Politiker". Mit seinen Entscheidungen habe er "harte Nationalisten" abgesetzt und einen "großen Beitrag zur Anerkennung des bosnisch-herzegowinischen Staates in der Welt geleistet", so die Zeitschrift.
Karriere von Kreisky bis zum Balkan
Der am 26. August 1947 in Klagenfurt geborene und zweisprachig (deutsch und slowenisch) aufgewachsene Geschichtswissenschafter setzt ab Juni seine Karriere als österreichischer UNO-Botschafter in Genf fort. Vor seiner "Balkan-Karriere" arbeitete er von 1975 bis 1977 im Bundespressedienst des Bundeskanzleramtes. Anschließend war er bis 1983 Sekretär und Pressesprecher des damaligen Bundeskanzlers Bruno Kreisky.
1983-84 war Petritsch als Botschaftsrat an der Österreichischen Vertretung bei der OECD in Paris tätig und wechselte danach ins Außenministerium, wo er bis 1992 Leiter des österreichischen Presse- und Informationsdienstes in New York war. Von 1992-94 war er wieder im Bundeskanzleramt tätig und leitete die Abteilung für multilaterale ökonomische Kooperation. Bevor er nach Belgrad und dann nach Sarajewo übersiedelte, fungierte Petritsch bis 1997 als Vorsitzender der Magistratsdirektion für Internationale Beziehungen der Stadt Wien.
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