Kölner Polizeiskandal: Nun Haftbefehle gegen Beamte
- Opfer Stefan N. nach Koma verstorben
- Polizisten: Kollegen prügelten auf Gefesselten ein

Im Zusammenhang mit dem Tod des 31-jährigen Stefan N. hat das Amtsgericht Köln auf Antrag der Staatsanwaltschaft Haftbefehl gegen zwei der sechs beschuldigten Polizisten wegen des Verdachts der schweren Körperverletzung im Amt erlassen. Wie Staatsanwaltschaft und Polizei am Freitag mitteilten, wurde ein 28-jähriger Polizeimeister am frühen Abend in Niedersachsen festgenommen. Er sollte dort am Samstag dem Haftrichter vorgeführt werden. Ein 24-jähriger Polizeiobermeister, der am Nachmittag in seiner Wohnung gefasst wurde, kam nach der Vorführung beim Haftrichter wieder auf freien Fuß.
Die beiden Polizisten hatten sich bereits vor mehr als einer Woche verdächtig gemacht, weil sie Uniformteile als mögliche Beweisstücke beseite schaffen wollten. Stefan N. war am 11. Mai nach einem lautstarken Streit mit seiner Mutter in einer Wohnung in der Kölner City festgenommen worden und soll anschließend im Polizeibus und auf einer Wache in der Kölner Innenstadt von Beamten schwer misshandelt worden sein. Er starb am Freitag nach fast zweiwöchigem Koma in einer Klinik.
Das vorläufige Ergebnis der gerichtsmedizinischen Untersuchung ergab nach Angaben von Staatsanwaltschaft und Polizei "keine grundlegenden neuen Erkenntnisse". Die Leiche weise "keine äußeren Verletzungen auf, die todesursächlich sein dürften". Todesursache sei das "Hirnödem, das infolge des Herzstillstandes entstanden sein dürfte". Die Ursache des Herzstillstandes bleibe "zunächst noch offen". Mit einem endgültigen Ergebnis sei nach weiteren Untersuchungen "erst in mehreren Tagen" zu rechnen.
Blutschwamm im Gehirn durch Fußtritte?
Bereits wenige Tage nach dem 11. Mai hatte eine Untersuchung des 31-Jährigen durch Rechtsmediziner ergeben, dass das Koma höchstwahrscheinlich durch einen Blutschwamm im Gehirn, ein so genanntes Hirnödem, verursacht wurde. Zugleich stellten die Mediziner der Universität Köln an der linken Stirnhälfte von N. einen deutlich erkennbaren Bluterguss "nach Art eines Schuhsohlenabdruckes" fest.
Polizisten zeigten ihre Kollegen an
Nach Behördenangaben erhoben zwei Polizisten als Augenzeugen der Vorgänge auf der Polizeiwache am Kölner Eigelstein schwere Vorwürfe gegen die verdächtigen Beamten. Ein Polizist und eine Beamtin gaben demnach an, dass mehrere ihrer Kollegen den an Händen und Füßen gefesselten 31-Jährigen mit Tritten und Schlägen traktiert hätten. Anschließend sei der am Boden liegende Mann mit blutenden Gesichtsverletzungen in eine Zelle geschleift worden, wo nach Aussage eines der Augenzeugen vier Beamte weiter auf ihn einschlugen.
Zudem liegen der Polizei nach eigenen Angaben Aussagen von zwei weiteren Zeugen vor, wonach N. möglicherweise schon unmittelbar nach seiner Festnahme in einem Wohnhaus in der Kölner Innenstadt von Polizisten misshandelt wurde. Die Augenzeugen gaben demnach an, sie hätten im Polizeibus Bewegungen wahr genommen, die wie Schläge ausgesehen hätten. N. solle sich bei der Festnahme heftig zur Wehr gesetzt haben.
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