Donnerstag, 23. Mai 2002

Premier Vajpayee schließt Gespräche mit Pakistan aus

  • Islamabad auf Angriff vorbereitet
  • Die UNO ist besorgt

Der indische Ministerpräsident Atal Behari Vajpayee hat Gespräche mit Pakistan über den Kaschmir-Konflikt ausgeschlossen. Davon könne nicht die Rede sein, sagte Vajpayee am Donnerstag in Srinagar, der Sommerhauptstadt des indischen Teils Kaschmirs. "Die Situation ist ernst, und wir werden die Herausforderung annehmen", fügte er hinzu.

Gleichzeitig kündigte er ein Hilfsprogramm in Höhe von 1,3 Milliarden Dollar (1,4 Milliarden Euro) für den indischen Teil der umstrittenen Region an. Das Geld solle vor allem in den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs und die Stromversorgung fließen.

Der pakistanische Militärmachthaber Pervez Musharraf erklärte in Islamabad, die Armee seines Landes sei "voll vorbereitet auf jeden möglichen Angriffsversuch". Pakistan bleibe jedoch "dem Frieden verbunden", erklärte er nach einem Treffen mit Militärs. Die Regierung forderte die Gesundheitsdienste und zivile Sicherheitsbehörden auf, sich auf einen möglichen Krieg gegen Indien und Rettungs- oder Löscheinsätze vorzubereiten. Die Verwaltung der an Indien grenzenden Provinz Punjab forderte die öffentlichen Krankenhäuser auf, die Bettenzahl aufzustocken.

Die UNO äußerte über die Zuspitzung des Kaschmir-Konflikts große Sorge. Jedoch hätten Mitglieder des Sicherheitsrates noch keine Reaktionen erörtert, die über Friedensappelle hinausgehen könnten, hieß es am Donnerstag in diplomatischen Kreisen. "Ein eventuelles Eingreifen der UNO ist überhaupt nicht in Sicht", sagte ein westlicher Diplomat. "Die Sorge, dass es zum Krieg zwischen den beiden Atommächten kommt, wächst jedoch von Tag zu Tag."

23.5.2002 18:56