Donnerstag, 23. Mai 2002

Milwaukees Erzbischof trat nach Sex-Vorwürfen zurück!

  • Vatikan erhielt Rücktrittsgesuch mit Bitte um sofortige Erfüllung
  • Diözese zahlte angeblich 450.000 Euro Schweigegeld

Die Serie der Missbrauchsvorwürfe gegen amerikanische Geistliche scheint endlos: Auch der Erzbischof von Milwaukee ist des sexuellen Missbrauchs beschuldigt worden. Der heute 75-jährige Rembert Weakland soll vor mehr als 20 Jahren einen jüngeren Mann sexuell missbraucht haben. Besonders belastend: Das angebliche Opfer soll in Besitz eines handgeschriebenen Briefes des Erzbischofs sein, in dem der Sexualkontakt bestätigt wird! Und die Erzdiözese soll 450.000 Euro Schweigegeld bezahlt haben! Der Bischof bat den Vatikan um seine sofortige Entlassung.

Weakland sagte, er habe sich zum Rücktritt entschlossen, weil er angesichts des derzeitigen Klimas, in dem die Kirche ihre Glaubwürdigkeit zurückerkämpfen müsse, "kein Hindernis" sein wolle. Er habe dem Vatikan gemäß dem Kirchenrecht bereits zu seinem 75. Geburtstag am 2. April das Rücktrittsgesuch eingereicht und bitte jetzt darum, dass dieses umgehend angenommen werde.

Der Erzbischof beteuerte laut Kathpress seine Schuldlosigkeit, bestätigte aber die Zahlung einer - nicht näher genannten - Geldsumme. "Ich habe nie jemanden missbraucht, und ich habe Paul Marcoux seit mehr als 20 Jahren nicht gesehen", heißt es in der Erklärung.

Das angebliche Opfer, der heute 53-jährige Paul Marcoux, sagte laut Kathpress im US-TV-Sender ABC, 1998 habe ihm die Erzdiözese Milwaukee für ein Schweigeversprechen umgerechnet 450.000 Euro gezahlt. Eine Stellungnahme der Erzdiözese stand vorerst aus.

19 Amtsbrüder der US-Diözesen Texas, Oklahoma und Arkansas forderten eine sofortige polizeiliche Anzeigepflicht für Missbrauchsfälle. Außerdem sollen Geistliche, die sich des Missbrauchs schuldig machen, nicht wieder als Priester eingesetzt werden dürfen. Und die Kirche soll psychologische Beratung für Missbrauchsopfer anbieten.

In US-Diözesen liegen Hunderte von Klagen mutmaßlicher Opfer gegen Priester und Bischöfe vor. Im März war der Bischof von Palm Beach in Florida, Anthony O'Connell, wegen eines 25 Jahre zurückliegenden Falles von sexuellem Missbrauch zurückgetreten.

23.5.2002 11:59