Donnerstag, 23. Mai 2002

Rund 3.000 Kandidaten bei Kommunalwahl in Italien

  • Spitzenpolitiker touren durchs Land
  • Spannendes Wahlduell in Genua nach Protesten von 2001

Über 3.000 Bürgermeisterkandidaten beteiligen sich an den Kommunalwahlen am Sonntag und Montag, zu denen etwa elf Millionen Italiener aufgerufen worden sind. Der Wahlkampf findet in über 1.000 Gemeinden und zehn Provinzen statt. Obwohl es sich um lokale Wahlen handelt, ist der Urnengang ein wichtiger Wahltest für Ministerpräsident Silvio Berlusconi ein Jahr nach dessen Erfolg bei den Parlamentswahlen am 13. Mai 2001.

Daher touren die meisten italienischen Spitzenpolitiker durch Italien, um für ihre Kandidaten zu werben. "Ich bin sicher, dass die italienischen Wähler der Regierungskoalition ihr Vertrauen bestätigen werden", betonte Vizepremier Gianfranco Fini bei einer Wahlrede in Alessandria. Gleichzeitig warnte er davor, dem Urnengang eine politische Relevanz beizumessen, die er nicht habe, da es sich um einen lokalen Wahltest handle.

Die oppositionelle Mitte-Links-Allianz ist dagegen der Meinung, dass bereits ein neuer Wind in Italien wehe. "Die Stunde der Revanche hat geschlagen. Dazu haben die No-Globalbewegungen und die Gewerkschaften mit ihrem Kampf gegen die Aufweichung des Kündigungsschutzes beigetragen", so der Chef der altkommunistischen Rifondazione, Fausto Bertinotti.

Lebhaftes Duell in Genua
Besonders lebhaft ist das Wahlduell in Genua. Der Mitte-Links-Block unterstützt den bisherigen Bürgermeister Giuseppe Pericu, der sich mit zwei Rivalen aus den Mitte-Rechts-Reihen auseinandersetzen muss: dem von der Lega Nord unterstützten Sergio Castellaneta und Rinaldo Magnani, Vertreter der Forza Italia und der rechten Nationalallianz. Kandidat der Linksdemokraten für einen Sitz im Gemeinderat ist auch Giuliano Giuliani, Vater des bei den Krawallen am Rande des G-8-Gipfels in Genua erschossenen Globalisierungsgegners Carlo Giuliani.

In der lombardischen Stadt Monza sorgt die Ex-Pornodiva Cicciolina für Aufsehen. Die gebürtige Ungarin, die 1987 mit der Radikalen Partei den Sprung ins römische Parlament geschafft hatte, ist mit der Justiz in Schwierigkeiten geraten, nachdem sie 30 gefälschte Unterschriften zur Unterstützung der Bewegung "I Libertari" eingereicht hatte, mit der sie den Bürgermeisterkampf in Monza zu gewinnen hofft.

19-Jähriger ist Kandidat in der Toskana
Die Politik scheint Jugendliche in der Toskana besonders zu reizen. In Pistoia reichte der jüngste Bürgermeisterkandidat Italiens, ein 19-jähriger Gymnasiast, seine Bewerbung ein. Wesentlich erfahrener sind die Ex-Chefin der Grünen, Grazia Francescato, die um die Präsidentschaft der Provinz La Spezia wirbt, und der Ex-Industrieminister Vito Gnutti, der in Varese, der Heimatprovinz von Umberto Bossi, für die Lega Nord um den Präsidentensessel ringt.

Wichtige Wahl für Lega Nord
Für die Lega Nord ist der Wahltest an diesem Wochenende von besonderer Bedeutung. Die norditalienische Gruppierung will klar machen, dass sie auf lokaler Ebene immer noch mit einem harten Sockel von Wählern rechnen kann, die mit ihren Leistungen als Regierungspartei zufrieden sind. Spitzenpolitiker der Lega Nord wie Arbeitsminister Roberto Maroni und Justizminister Roberto Castelli haben in den letzten Monaten eine entscheidende Rolle bei der Durchsetzung des Berlusconi-Programms gespielt. Bossi hofft, dass die Wählerschaft den Einsatz seiner Minister belohnen wird.

23.5.2002 11:29