Beirut: Sohn von PFLP-Chef Jibril bei Anschlag getötet
- Hisbollah bestätigte Angaben

Der Sohn des radikalen Palästinenserführers Ahmed Jibril ist am Montag bei der Explosion einer Autobombe in der libanesischen Hauptstadt Beirut getötet worden. Der 38-jährige Jihad Jibril, dessen Vater die Volksfront für die Befreiung Palästinas - Generalkommando (PFLP-GC) leitet, saß nach Polizeiangaben am Steuer des Wagens, als der Sprengsatz unter dem Fahrersitz detonierte. Vertreter der PFLP-GC machten Israel für den Anschlag verantwortlich und schworen Rache.
Israel bestritt jegliche Verantwortung für die Tat. Das sei "Unsinn", kommentierte ein Sprecher des Außenministeriums die Anschuldigungen. Der israelische Verteidigungsminister Benjamin Ben-Eliezer wies jegliche Verbindung mit dem tödlichen Sprengstoffanschlag zurück, wie der israelische Armeesender meldete.
Jihad Jibril hatte in der Organisation seines Vaters hohe militärische und politische Funktionen inne. Unter anderem saß er im Exekutivkomitee und war für militärische Operationen in Libanon verantwortlich. Der Wagen war allerdings auf den Namen Khalil Hatbeh zugelassen, was anfänglich für Verwirrung sorgte.
"Er war Ziel (des Anschlags), weil er der Sohn von Achmed Jibril war", sagte Omar Shehabi, ebenfalls Mitglied im Exekutivkomitee der PFLP-GC. "Die Antwort auf diesen Mord wird auf der gleichen Ebene erfolgen", fügte Shehabi hinzu und bezeichnete den Toten als Opfer Amerikas und Israels. Die PFLP-GC steht auf der vom US-Außenministerium erstellten Liste terroristischer Organisationen. Sie ist gegen ein Friedensabkommen zwischen Israel und den Palästinensern und hat sich in der Vergangenheit mehrmals zu Anschlägen auf israelische Ziele bekannt. Auch PFLP-GC-Sprecher Abu Rushdie und Jibrils Stellvertreter Talal Nadschi machte "Israel oder seine Handlanger" für den Anschlag verantwortlich.
Plastiksprengstoff: Jibrils Wagen völlig zerstört
Jibrils Wagen explodierte gegen Mittag in einer Seitenstraße des belebten Einkaufsviertels Corniche Masraa im muslimischen Viertel Beiruts. Ein Polizist am Tatort sagte, bei der Autobombe habe es sich um hochexplosiven Plastiksprengstoff gehandelt, dessen Kraft der von zwei Kilogramm TNT vergleichbar gewesen sei. Der weiße Peugeot wurde bei der Detonation völlig zerstört. Auch umliegende Geschäfte und geparkte Autos wurden beschädigt, aber außer Jibril kamen keine weiteren Menschen zu Schaden.
Ahmed Jibril äußerte sich zunächst nicht zu dem Anschlag auf seinen Sohn. In seinem Büro in der syrischen Hauptstadt Damaskus nahm er am Montag Beileidsbekundungen entgegen. PFLP-GC-Vertreter sagten, Jihad Jibrils Leiche werde zur Beisetzung am Dienstag von Beirut nach Damaskus gebracht. Ahmed Jibril gilt als enger Verbündeter Syriens und ist entschiedener Gegner von Verhandlungslösungen mit Israel sowie der Politik von Palästinenserpräsident Yasser Arafat. Jihad Jibril galt als potenzieller Nachfolger seines Vaters. Er war zweimal knapp dem Tod entkommen: Bei einer militärischen Übung wurde er 1997 durch eine Bombenexplosion schwer verletzt. Vor zwei Jahren beschossen Unbekannte sein Auto.
Früherer Milizenführer im Jänner durch Autobombe getötet
Auf ganz ähnliche Weise war am 24. Jänner der frühere Milizenführer und Politiker Elie Hobeika im christlichen Ost-Beirut ums Leben gekommen. Hobeika hatte 1982 die Christenmiliz angeführt, die das Massaker in den Beiruter palästinensischen Flüchtlingslagern Sabra und Shatila verübt hat. Auch damals hatten die Libanesen fast einhellig Israel für den Anschlag verantwortlich gemacht. Damals spekulierten Politiker in Beirut, der israelische Geheimdienst Mossad habe Hobeika getötet, weil dieser angekündigt hatte, Beweise für die Verantwortung des damaligen israelischen Verteidigungsministers und heutigen Ministerpräsidenten Ariel Sharon für das Massaker von Sabra und Schatila zu veröffentlichen.
Washington setzte die Volksfront-Bewegung bereits Anfang der 90er Jahre auf seine Liste "ausländischer Terrororganisationen". Syrien verfügt in Libanon über einflussreiche Strukturen und hat dort tausende Soldaten stationiert. Von Libanon aus schossen PFLP-GC-Kämpfer im März mit Raketen auf israelisches Territorium.
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