Freitag, 24. Mai 2002

Millionenprozess: Groër-Opfer klagt die Kirche

  • Österreichs Kirche droht Millionen-Klage
  • Wiener Anwalt strebt Musterprozess an

Auf Österreichs Kirche rollt eine Klagslawine zu: Immer mehr Missbrauchsopfer schließen sich dem Musterprozess eines Wiener Anwalts an. Auch Österreichs prominentestes Sex-Missbrauchsopfer, Josef Hartmann, will nun Schadenersatz nach US-Vorbild.

In der Kanzlei des Wiener Promi-Anwalts Farid Rifaat geben sich zurzeit die Sexmissbrauchsopfer der österreichischen Kirche die Klinke in die Hand. Donnerstag vor Pfingsten reiste nun auch jener Mann aus der Schweiz an, der im Frühjahr 1995 den damaligen Wiener Erzbischof mit einer spektakulären Enthüllung vom Bischofsthron gestürzt hatte: "Kardinal Hans Hermann Groër hat mich sexuell missbraucht."

Sein Motiv: In einem NEWS-Interview hatte Bischof Kurt Krenn jüngst – "dreist und empörend", so Hartmann – eine "Rehabilitierung" Groërs verlangt. Und die Groër-Kritiker Schönborn & Co gar zu einer "Entschuldigung" beim Altkardinal aufgefordert, weil sie den Sexvorwürfen von Hartmann Glauben geschenkt hatten.

Und das zu einem Zeitpunkt, wo die US-Kirche – erschüttert von einer Welle von Missbrauchsvorwürfen – bis zu 1 Mrd. Dollar (!) an Schadenersatz leisten muss.

Kirche bestätigt Schaden
Mit der von Hartmann & Co losgetretenen Klagslawine wird es auch für Österreichs Kirche eng. Und mit dem Promi-Fall Hartmann hat Anwalt Rifaat zudem erstmals einen schriftlichen Trumpf in der Hand: Die Erzdiözese Wien hatte Hartmann 1998 ein bescheidenes Vier-Jahres-Stipendium von monatlich 500 Schweizer Franken zugestanden: "Damit bestätigt die katholische Kirche erstmals, dass durch den Missbrauch einem Opfer Schaden entstanden ist. Dieses Zugeständnis wird uns bei den anderen Klagen immens helfen."

24.5.2002 14:44