Freitag, 24. Mai 2002

im Format-Talk

  • Ein Gespräch über die neuen ORF-Sitten

Werner Mück, neuer "ZiB"-Chef, ist zur Zeit Österreichs gefürchtetster Medienmann. Die Parteien zittern vor seiner Macht, Redakteure vor seiner harten Führung. Ein Gespräch über die neuen ORF-Sitten.

FORMAT: Sie sind seit knapp vier Wochen ORF-Chefredakteur. FPÖ-Klubobmann Peter Westenthaler ist seither in der "ZiB 1" kaum noch vorgekommen. Hat das einen besonderen Grund?
Mück:In meiner Wahrnehmung ist er genausooft vorgekommen, wie es die einzelnen Ressorts haben wollten. Mehr war anscheinend nicht zu tun.

FORMAT:Es gibt also keinen Bannstrahl gegen jenen FPÖ-Politiker, der Ihre Bestellung zum Chefredakteur massiv bekämpft hat?
Mück Diese in Österreich üblichen po- litischen Nebengeräusche habe ich weggesteckt. Das war nicht weiter tragisch. Und ich wäre ja dumm, würde ich mit einem Bannstrahl reagieren.

FORMAT: Welche Anforderungen muß ein Beitrag in der „Zeit im Bild 1“ erfüllen?
Mück Alle „ZiB“-Sendungen sollen sach- und themenorientiert sein und Hintergründe und Zusam- menhänge darstellen, um den Menschen eine Orientierungshilfe zu geben. Die "ZiB"s sind aber nicht das kleine Bezirksgericht, nicht die Politikbassena. Die Sendungen sind auch nicht der tägliche Befindlichkeitsreport irgendwelcher Politiker und schon gar nicht ein orientalischer Gerüchtehandel.´

FORMAT: Daß Sie den Konflikt zwischen den Klubobleuten Westenthaler und Khol in der "ZiB 1"ausgeklammert haben, ist also mit einem dieser Gründe zu erklären?
Mück: Ich bekenne mich dazu, daß wir einzelne Wortmeldungen als Chronik der fortlaufenden Wortmeldungen oder po- litische Seitenblicke in der „ZiB“ nicht forcieren wollen.Wenn einzelne Aussagen in ein Thema zu fassen sind, muß es so rasch wie möglich einen Bericht geben. Wenn es einen Konflikt in der Regierung gibt, werden wir darüber informieren.

FORMAT: Das hat die „ZiB“ in den vergangenen Tagen nur sehr verschämt getan.
Mück: Der angesagte Regierungskonflikt war rasch wieder abgesagt.

FORMAT: Sie wollen primär Hintergründe und Analysen bieten, auf Konflikte weitge- hend verzichten. Läuft die ORF-Informa- tion nicht Gefahr, langweilig zu werden?
Mück: Sachlichkeit ist nur dann fad, wenn sie von schlechten Journalisten langweilig erzählt wird. Ein spannendes Sachthema muß nicht langweilig sein. Meine Redak- tion wird das auch beweisen. Daß nur der Konflikt, das Spektakel interessant sein soll, lasse ich für die „ZiB“ nicht gelten.

Das gesamte Interview finden Sie im aktuellen FORMAT.

24.5.2002 13:22