Mittwoch, 22. Mai 2002

Streit: Vor Geiselnahme feuerte Mann auf 2 Nachbarn

  • Drama endete unblutig, Sohn überredete Vater zur Aufgabe
  • Im Haus massenhaft Waffen und Munition gefunden

Warum kam es zur Geiselnahme in Schladming? Donnerstag erklärte der Mann im Verhör, dass er mit Nachbarn Streit gehabt habe. Deshalb sei der derart in Rage geraten, dass er gezielt auf sie feuerte! Erst dann verschanzte sich der Familienvater in seiner Wohnung. Seine Geiseln: Ehefrau und Tochter. Entscheidend dürfte der Appell des zwölfjährigen Sohnes an seinen Vater gewesen sein, aufzugeben. Außerdem wurde bekannt, dass der Täter seine Familie bereits 1997 bedroht hatte und ihm daher seine Waffe abgenommen worden war.

Im vergangenen Jahr erhielt der Familienvater seine Waffe nach einer Verlässlichkeitsprüfung und einem psychologischen Test jedoch wieder zurück. Eine zweifelhafte Entscheidung, wie sich nun nachträglich herausgestellt hat.

Der Schladminger Bürgermeister Hermann Kröll sprach in einer Pressekonferenz von einem "ernsten Tag, der glücklich zu Ende ging". Der steirische Sicherheitsdirektor Josef Klamminger hob das Zusammenwirken der insgesamt 80 Exekutivbeamten verschiedener Einsatzgruppen hervor und erwähnte auch die Vernunft des Täters als entscheidend für den Ausgang.

Chronologie der Ereignisse
Nochmals wurde die Chronologie der Ereignisse skizziert: Die Gendarmerie wurde kurz vor 8.00 Uhr verständigt, dass in der Nähe des Bahnhofes geschossen werde. Wenig später erfolgte ein Anruf bei einem Waffenhändler, von dem der 39-jährige Frühpensionist Waffen und Munition forderte. Mit der Drohung als Nachsatz: "Sonst kannst du dir gleich einen Sarg besorgen." Davor hatte der vermutlich stark alkoholisierte Mann unweit seines Hauses ein Holzschild mit dem Hinweis aufgestellt: "Hier wird scharf geschossen!" Auch an die Gendarmerie-Zentrale richtete Alfred M. eine Drohung: "Ich bringe meine Frau um, wenn ich keine Munition bekomme". Zu diesem Zeitpunkt war klar, dass sich der Täter mit seiner 32-jährigen Frau Walpurga und der achtjährigen Tochter Sabine in dem Haus verschanzt.

Gegen Mittag gelang es den inzwischen in Stellung gegangenen Exekutivkräften, über Telefon Kontakt mit dem Täter herzustellen. Wie es später hieß, habe es noch eine brenzlige Situation gegeben, als M. davon sprach, er habe seine Frau im Keller erschossen. Zu diesem Zeitpunkt, so der Sicherheitsdirektor, sei ein Sturm auf das Haus in Erwägung gezogen worden. Die Beamten konnten aber kurze Zeit später die Frau im Haus erkennen und so setzte man auf weitere Verhandlungen.

Schwierige Verhandlungen
Edi Hamedl, Mitglied der Verhandlungsgruppe Süd, schilderte den Einsatz: "Der Mann war schwer einzuschätzen. Zuerst war er sehr aggressiv. Wichtig war, dass es uns gelang, ein Vertrauensverhältnis aufzubauen. Er erzählte uns von seiner Krankheit und bot mir zum Schluss sogar das Du-Wort an." Das "Tüpfelchen auf dem i" sei dann das Gespräch mit dem Sohn Stefan gewesen, der den Tag über in der Hauptschule in Admont gewesen war. Nach seinem Appell "Papa, ich bin jetzt da, komm her", habe Alfred M. unbewaffnet das Haus verlassen und sich widerstandslos festnehmen lassen. Nach dem Ende der dramatischen Situation wurden Frau und Tochter ins Krankenhaus gebracht, wo sie psychologisch betreut wurden. Bestätigt wurde von den Behördenvertretern, dass M. die Pumpgun legal erworben hatte und nach einem Zwischenfall - es ging um eine Drohung im Familienkreis - 1997 abgeben musste. Nach einer Verlässlichkeitsprüfung und einem Psycho-Test sei sie ihm 2001 wieder ausgefolgt worden. Im Haus wurde nach der Festnahme die Waffe mit ausreichend Munition sichergestellt.

22.5.2002 11:03