Montag, 20. Mai 2002

Fianna Fail verfehlt absolute Mehrheit nur knapp

  • Neuauflage der Koalition mit Demokraten wahrscheinlich

Der irische Ministerpräsident Bertie Ahern hat mit seiner Partei Fianna Fail nur knapp die absolute Mehrheit verfehlt. Die konservative Partei errang bei der Wahl am Freitag mindestens 80 Mandate im 166-köpfigen Dail von Dublin, ein Sitz war in der Nacht zum Montag noch offen. Fianna Fail konnte damit im Vergleich zur Wahl vor fünf Jahren drei Mandate hinzugewinnen. Ihr bisheriger Koalitionspartner, die Progressiven Demokraten, legte von vier auf acht Sitze zu. Eine Neuauflage der Zusammenarbeit sei "wahrscheinlicher als alles andere", sagte Ahern.

Aherns Fianna Fail profitierte nach Einschätzung von Beobachtern von der Popularität des 50-jährigen Regierungschefs und dem Wirtschaftsboom für den "keltischen Tiger". Die stellvertretende Regierungschefin Mary Harney von den Progressiven Demokraten erklärte: "Wir sind die erste Regierung seit 1969, die wiedergewählt wurde. Das ist unglaublich."

Der größte Wahlverlierer war die ebenfalls konservative Oppositionspartei Fine Gael, die von 54 auf 31 Mandate abrutschte. Als Konsequenz aus dem schlechtesten Abschneiden seiner Partei seit der Unabhängigkeit Irlands von Großbritannien 1922 trat ihr Vorsitzender Michael Noonan zurück.

Ein Triumph war die Wahl dagegen für die nationalistische Sinn Fein, die der Untergrundbewegung Irisch-Republikanische Armee (IRA) nahe steht. Sie hatte bislang nur einen Abgeordneten im Dail und nach eigenem Bekunden auf drei bis vier Mandate gehofft. Dem letzten Stand der Auszählung zufolge errang sie fünf Sitze und verpasste einen sechsten in Aherns Wahlbezirk in Dublin nur knapp. Deutlich zulegen konnten auch die Grünen, sie verbesserten sich von zwei auf sechs Sitze.

Enttäuschend war der Wahlausgang hingegen für die linksgerichtete Labour Party. Sie hatte sich deutliche Zugewinne erhofft, konnte aber ihr Ergebnis von 21 Sitzen lediglich halten.

Die Wahlbeteiligung lag bei 63 Prozent gegenüber 65,3 Prozent bei der Wahl 1997. Die Auszählung zog sich auf Grund des komplizierten Wahlrechts, bei dem die 2,9 Millionen Stimmberechtigten den Kandidaten je nach Präferenz Rangplätze zuordnen können, bis in die Nacht zum Montag hin.

20.5.2002 09:01