Freitag, 17. Mai 2002

Bertelsmann will Napster für 8,7 Mio. Euro übernehmen

  • Betrag geht an Gläubiger zur Schuldentilgung

Die Bertelsmann AG wird die Vermögenswerte der schwer angeschlagenen US-Musiktauschbörse Napster Inc. übernehmen. Bertelsmann will den Napster-Gläubigern acht Millionen Dollar (8,7 Mio Euro) zur Verfügung stellen, teilten Bertelsmann und Napster am Freitag mit. Konrad Hilbers, der erst in dieser Woche zurückgetretene Napster-Chef, wird jetzt wieder die Führung des angeschlagenen Unternehmens übernehmen.

Napster-Gründer Shawn Fanning, der ebenfalls vor wenigen Tagen ausgeschieden war, kehrt jetzt wieder als Chef-Technologiemanager zu Napster zurück. Dies gilt auch für eine Reihe anderer Napster-Führungskräfte. Hilbers ist jetzt auch Vorsitzender des Napster-Verwaltungsrates geworden.

Es schien noch in dieser Woche so als drohe das endgültige Aus für Napster. Bertelsmann hatte die Zahlung von neuen Geldern an Napster eingestellt. Jetzt hat sich der Napster-Verwaltungsrat aber zu einer Annahme der Bertelsmann-Offerte bereit erklärt. Hilbers sprach von einem "richtigen und günstigen Deal" für Napster.

Nach Darstellung informierter Kreise will Napster möglicherweise einen Konkursantrag im Rahmen Kapitel Elf des US-Konkursrechtes stellen. Bertelsmann wolle offensichtlich auch neben der Zahlung von acht Millionen Dollar an die Napster-Gläubiger auf die Rückzahlung von rund 85 Millionen Dollar verzichten, die der deutsche Medienriese Napster als Kredite hatte zukommen lassen. Eine solche Lösung müsste dann von dem zuständigen Konkursrichter genehmigt werden.

Die einst populäre Musikbörse hatte zu Spitzenzeiten 67 Millionen Nutzer, die in dem so genannten Peer-to-Peer-Netzwerk untereinander kostenlos Musikstücke tauschten. Im vergangenen Jahr war Napster nach einer Klage von mehreren großen Plattenlabels wegen Verletzung der Urheberrechte vom Netz gegangen. Bertelsmann will die Tausch- Technologie nutzen und aus Napster einen kostenpflichtigen Abonnement-Dienst machen.

"Bertelsmann verstand unsere Vision als sie erstmals bei uns investierten", erklärte Shawn Fanning. Er hatte als Student Napster gegründet und rasch groß gemacht. Fanning will jetzt mit den anderen Napster-Mitarbeitern den neuen Dienst fertig stellen und zum Laufen bringen, kündigte er an.

Joel Klein, der Chef der amerikanischen Tochterfirma Bertelsmann Inc., begrüßte die Vereinbarung. Napster werde Geschäftsmodelle finden, die Urheberrechte respektieren, Künstler entlohnen und den Konsumenten Unterhaltungswerte geben, erklärte Joel Klein, der Chef der amerikanischen Tochterfirma Bertelsmann Inc.. Bertelsmann sei das richtige Unternehmen, um Napster in die Zukunft zu bringen, betonte Napster-Verwaltungsratsmitglied Hank Barry.

17.5.2002 22:19