Freitag, 17. Mai 2002

Österreich preisstabilstes Land nach Euro-Einführung

  • Nur das Nicht-Euroland Großbritannien hatte geringere Teuerung

Mit einer Teuerungsrate von 1,8 Prozent in den ersten drei Monaten 2002 hat Österreich die geringste Teuerung unter allen Ländern mit der europäischen Gemeinschaftswährung aufzuweisen. Weniger stark - nämlich um 1,5 Prozent - sind die Preise nur im nicht zur Eurozone gehörenden Großbritannien angestiegen, geht aus Daten des EU-Amts für Statistik (Eurostat) hervor. Die Wirtschaftskammer führt die österreichische Preisstabilität auf die Disziplin der heimischen Wirtschaft zurück, die Arbeiterkammer (AK) ortet den Hauptgrund in der Preiskommission und der intensiven Preisbeobachtung.

Hinter Österreich hatten im Quartal nach der Währungsumstellung Deutschland und Luxemburg mit jeweils 2 Prozent die zweitniedrigste Inflationsrate im Euroraum. Die bei weitem stärkste Teuerung weist Irland (5,1 Prozent) auf. Auch die Niederlande (4,6 Prozent), Griechenland (4,3 Prozent) und Portugal (3,4) gehören zu jenen Ländern, in denen die Inflationsrate deutlich über dem Schnitt der Eurozone (2,5 Prozent) liegt. Die Inflationsraten beruhen auf dem Harmonisierten Verbraucherpreisindex der EU (HVPI), der einen internationalen Vergleich für die Entwicklung der Konsumentenpreise erlaubt.

Im April hat sich das grundsätzliche Bild des ersten Quartals nicht geändert: Nach den am Donnerstag bekannt gegebenen Inflationsraten für April sind Deutschland und Österreich mit jeweils 1,6 Prozent Inflation die preisstabilsten Länder der Eurozone, die stärksten Preisanstiege wiesen auch im vergangenen Monat Irland (5 Prozent), die Niederlande (4,2 Prozent) sowie Griechenland (4,1 Prozent) und Portugal (3,5 Prozent) auf.

Für Wirtschaftskammer-Chef Christoph Leitl ist die Pole-Position der Alpenrepublik "der Beweis dafür, dass sich die österreichische Wirtschaft bei der Euro-Einführung verantwortungsbewusst gezeigt hat". Karl Kollmann, Konsumentenschützer der Arbeiterkammer (AK), sieht den Grund für den Erfolg dagegen im guten Euro-Begleitrecht, in der aktiven Euro-Preiskommission und intensiven Beobachtungstätigkeit der Arbeiterkammern. Diese seien eine "treibende Kraft" gewesen und hätten "700 Preiserhebungen durchgeführt und äußerst rege publiziert".

Außer in der Automatenindustrie, einer Minderheit unter den Gastronomiebetrieben und einzelnen Dienstleistungsbranchen habe es nur "vereinzelt" eurobedingte Preiserhöhungen gegeben, im "ausgesprochen disziplinierten" Lebensmitteleinzelhandel seien die Preise sogar eher gesunken, freut sich Kollmann. Man dürfe jetzt aber noch nicht mit der intensiven Preisbeobachtung aufhören.

Warum in der Bevölkerung nach wie vor der Eindruck breiter Preiserhöhungen nach der Einführung besteht, erklärt sich Kollmann psychologisch: "Die Österreicher sind nach der Währungsumstellung äußerst preissensibel geworden und haben genau beobachtet. Von einzelnen Preiserhöhungen, die sie registriert haben, haben sie induktiv geschlossen, dass alles deutlich teurer geworden ist - was de facto nicht stimmt."

17.5.2002 13:09