Mittwoch, 15. Mai 2002

Libro-Konkurs: Investoren wollen nur Amadeus-Outlets

  • 2.372 Mitarbeiter bangen, 436 Mio. € sind ausständig
  • Morawa ist nicht mehr interessiert - zu teuer!

Es ist offiziell: Libro ist am Ende! Und während vor allem bei der Muttergesellschaft die Angst um die fast 2.000 Jobs umgeht, scharren die Interessenten für den Ableger "Amadeus" schon in den Startlöchern. Die Begeisterung für die eigentlichen Libro-Filialen hält sich in Grenzen.

Das Landesgericht Wiener Neustadt hat gestern das Konkursverfahren über das Vermögen der maroden Buch- und Medienhandelsgruppe Libro eröffnet. Betroffen sind 2.372 Mitarbeiter, davon 546 bei Amadeus. Noch ist nicht fix, wieviele Jobs gerettet werden können und wieviele Kündigungen es gebe wird. Passiva: kolportierte 436 Millionen Euro. Die erste Sitzung des Gläubigerausschusses findet bereits am Freitag statt.

Investoren zielen auf Amadeus
Die Pleite ruft jetzt Investoren auf den Plan – vor allem Ludwig Scharinger, Boss der Raiffeisen Landesbank Oberösterreich (RLB OÖ). Sie wollen sich die besten Stücke aus der Konkursmasse beizeiten sichern. Dabei steht vor allem die Libro-Tochter Amadeus, die zuletzt rund 72,7 Millionen Euro umgesetzt hat, im Zentrum der Begehrlichkeiten.

Morawa an Amadeus nicht mehr interessiert
Die Buchhandelskette Morawa will die zur insolventen Libro AG gehörenden Amadeus-Filialen nicht übernehmen. "Im Prinzip interessieren wir uns nicht. Wir haben uns informiert, und festgestellt, dass der notwendige Finanzierungsbedarf zu hoch ist." Den Finanzbedarf schätzt Morawa auf rund 20 Mill. Euro.

Unter ihren 22 Filialen befinden sich Erfolgs-Standorte wie die Linzer Landstrasse oder die Wiener Mariahilfer Strasse. "In diesen zwei Filialen wird sicher ein grosser Teil des Umsatzes erwirtschaftet", sagt Hans Joachim Metzger, Beteiligungsmanager der Styria AG. Bei Scharinger und Styria wird jetzt eine Übernahme geprüft, in den nächsten Tagen sollen Angebote gelegt werden.

Angst um Jobs
Die gute Nachricht für die Mitarbeiter von Libro: Es gibt Interessenten, die jeweils Teile der Kette übernehmen und weiter führen wollen. Die schlechte: Wenn die Übernahmen scheitern, sind die Jobs unwiderruflich verloren!

Die Mitarbeiter sind die unschuldigen Opfer einer aggressiven und riskanten Expansionspolitik bei Libro. Es ist keineswegs ausgemacht, wie viele Mitarbeiter ihre Jobs behalten können. Dazu kommt, dass zwar die Amadeus-Filialen leicht Financiers anlocken, die Standorte der Konzernmutter aber deutlich weniger Appeal haben.

2.372 Mitarbeiter & 268 Filialen betroffen
Vom Konkurs sind 2.372 Mitarbeiter betroffen, davon 546 bei Amadeus. Alle Beschäftigten wurden bereits im Rahmen des Frühwarnsystems zur Kündigung angemeldet. Libro/Amadeus betreibt derzeit in ganz Österreich 246 Libro- und 22 Amadeus-Filialen.

Nachlassverwalter bestellt
Dass der Konkurs über Libro eröffnet wurde, teilte der Kreditschutzverband von 1870 (KSV) Montag Nachmittag mit. Zum Masseverwalter wurde wie erwartet der Mödlinger Rechtsanwalt Günther Viehböck bestellt, zu seinem Stellvertreter Bernhard Schatz.

Zur Unterstützung des Masseverwalters hat das Gericht einen aus sechs Mitgliedern bestehenden Gläubigerausschuss bestellt, dem auch der KSV als Gläubigervertreter angehören wird. Bereits am Freitag dieser Woche soll die erste Sitzung stattfinden.

Dabei werde vor allem zu klären sein, ob und unter welchen Umständen ein Fortbetrieb des Unternehmens möglich ist. Welche Standorte geschlossen werden. Und ob beziehungsweise wie viele der mehr als 2.000 Dienstnehmer abgebaut werden müssen.

Die Berichts- und Prüfungstagsatzung findet am 5. September 2002 statt. Anmeldefrist für Gläubigerforderungen ist der 14. August.

Interessent lehnte Bank-Bedingungen ab
Auch mit der in letzter Minute aufgetauchten Donau Design und ihrem Geschäftsführer Franz Georg Stern konnten sich die Banken nicht mehr einigen. Libro hätte einen Überbrückungskredit von bis zu 50 Mill. Euro gebraucht, um die dritte Ausgleichsquote, die Urlaubsgelder und die Lieferanten und auch die fälligen Mieten zu bezahlen.

Nach einer "endgültig letzten Verhandlungsrunde" am Freitag hatten die Banken eine Reihe von Bedingungen gestellt. Der Donau Design Vorstand musste bis Montag 10.00 Uhr entscheiden, ob er darauf eingehe und hat abgelehnt. Damit war der Konkurs der Libro AG besiegelt.

Passiva von 436 Millionen Euro?
Mit der Konkurseröffnung leben die alten Forderungen aus dem Ausgleich im Vorjahr auf. Damals wurden Passiva von 240 Mill. Euro anerkannt. Im jetzigen Konkurs werden die Verbindlichkeiten vor allem infolge von Schadensersatzforderungen aus Mieten und einem zusätzlichen Bankkredit von knapp 30 Mill. Euro auf zumindest 350 Mill. Euro steigen. In Bankkreisen geht man sogar von Verbindlichkeiten von 436 Mill. Euro aus.

Schulgeschäft im Herbst gesichert
Das Schulgeschäft im Herbst sei jedenfalls gesichert, war aus Bankenkreisen und aus dem Unternehmen zu hören. Durch den Konkurs ist Libro nach Konsum, Maculan und Steiner die viertgrößte Pleite Österreichs seit 1954!

15.5.2002 15:15