Dienstag, 14. Mai 2002

Libro überlegt außergerichtlichen Ausgleich

  • Durch Bank-Verzicht soll Konkurs abgewendet werden
  • 20-Prozent-Quote für Lieferanten

Mit einem außergerichtlichen Ausgleich will die schwer angeschlagenen Buch- und Medienhandelskette Libro den drohenden Konkurs noch einmal abwenden. Gläubigerbanken und Lieferanten müssten dabei auf einen Großteil ihrer Forderungen verzichten, Libro wäre in einem Kraftakt entschuldet.

Die Banken, die bis auf die Raiffeisen Zentralbank (RZB) kein frisches Geld mehr in die Hand nehmen wollen, werden sich am Mittwoch oder am Donnerstag doch noch einmal an einen Tisch setzen. Über mögliche vernünftige Lösungen werde man sicher weitersprechen, heißt es aus Bankenkreisen.

Karten neu mischen?
Konkret will Libro den Gläubigern Ende Juni bzw. Ende Juli statt der im Vorjahr vereinbarten Ausgleichsquote von 8,5 Prozent oder 10 Mill. Euro 12,5 Prozent oder rund 14 Mill. Euro anbieten. Damit hätten die Gläubiger, die bereits zwei Tranchen (4 Prozent und 3,5 Prozent) erhalten haben, insgesamt 20 Prozent kassiert. Im Gegenzug müssten die Gläubiger auf die andere Hälfte der Quote oder auf 20 Prozent ihrer damaligen Ausgleichsforderungen verzichten.

Banken müssten komplett verzichten
Sollte sich Libro mit den Lieferanten einigen können, würden die Gläubigerbanken komplett auf ihre 40-prozentige Ausgleichsquote verzichten. Die Bankverbindlichkeiten der Buchhandelskette betrugen bei Ausgleichseröffnung vor einem Jahr 174 Mill. Euro.

Skepsis
Insider stehen dieser Lösung eher skeptisch gegenüber. Um diesem Vorschlag zuzustimmen, müsste auch ein Konkursszenario zum Vergleich vorliegen. Außerdem müsste die angebotene Kassaquote mit einer Bankgarantie abgesichert werden. Voraussetzung für eine außergerichtliche Lösung ist jedenfalls die Zustimmung aller Gläubiger und dies dürfte in diesem Fall nicht leicht sein, so ein Skeptiker.

Verärgert sind die Banken über die ständig neuen Zahlen zum Libro-Finanzbedarf. War ursprünglich von unter 20 Mill. Euro die Rede, wurde zuletzt von 40 Mill. Euro gesprochen. Um im Juni bzw. Juli die Ausgleichsquote und Urlaubsgeld zahlen zu können und neue Ware einzukaufen, muss das Unternehmen kurzfristig zumindest 20 Mill. Euro flüssig machen.

Wer will investieren?
In der Zwischenzeit wird mit Hochdruck nach einem Investor gesucht. Verhandlungen mit zumindest vier Interessenten laufen, heißt es. Bereits bei Ausgleichseröffnung vor rund einem Jahr haben die Gläubigerschutzverbände gewarnt, dass die Fortführung des Unternehmens ohne finanzkräftigem Partner nicht funktionieren werde. Um den Verkauf der Buchhandelskette Amadeus hat man sich lange bemüht, und dann mangels Käufer angekündigt, den Bereich selber weiter führen zu wollen.

14.5.2002 13:06