Dienstag, 14. Mai 2002

Korruptionsliste: Österreich ist "Sauberland" Nr. 4

  • Alpenrepublik belegt 4. Platz von 21 untersuchten Exportstaaten
  • Nummer 1 bei den Schmiergeldzahlern: Russland!

Wie korrupt sind Unternehmen in Österreich? Fast gar nicht. Eine Untersuchung weist die Alpenrepublik als Musterschüler aus. Österreich belegt Rang vier. "Sauberland" Nummer 1 ist Australien, gefolgt von Schweden und der Schweiz. Besonders dicht ist laut dem Ranking von 21 untersuchten Exportstaaten der Korruptionsfilz in China und Russland.

Die weltweit tätige Anti-Korruptionsorganisation Transparency International (TI) veröffentlichte den Bribe Payers Index (BPI) 2001, in dem die Korruptionsbereitschaft im Kampf um staatliche Aufträge "gemessen" wird. Deutschland liegt übrigens auf dem neunten Rang. Österreich erreicht Platz 4 mit 8,2 Punkte und konnte sich im Vergleich zu 1999 (7,8) deutlich verbessern.

Die schlechtesten Noten haben die russischen, chinesischen, taiwanesischen und südkoreanischen Unternehmen erhalten, die laut TI in einem "alarmierenden Ausmass" auf Schmiergeldzahlungen zurückgreifen. Die Bestechung von Beamten durch die Unternehmen sei auch in Italien, Hongkong, Malaysia, den USA, Japan, Frankreich und Spanien gang und gäbe, wenn auch in einem nicht so starken Ausmaß.

Korruption betrifft Bau und Rüstung am stärksten
Die Bau- und die Rüstungsindustrie sind laut TI-Bericht am stärksten von diesem Phänomen betroffen. Es folgen die Bereiche Erdölindustrie, Bankwesen, Immobilien, Pharmaindustrie, Energie und Telekommunikation. Die Beamtenbestechung ist zwar in den Industrieländern durchwegs strafbar. Das ist aber nicht ausreichend, wie das Beispiel USA zeige, betont TI-Geschäftsführer Hansjörg Elshorst. Dort gebe es schon seit 1976 entsprechende Gesetze, trotzdem haben sich die Vereinigten Staaten auf dem Schmiergeldzahler-Index deutlich verschlechtert. US-Unternehmer würden als Geschäftspartner wahrgenommen, "die ihre Erfolge durchaus mit fragwürdigen Methoden suchen".

Die Anti-Korruptionsgesetze werden nicht konsequent umgesetzt, heißt es im Bericht. "Unsere neue Studie lässt keinen Zweifel darüber offen, dass viele multinationalen Unternehmen auch der reichsten Staaten kriminelle Wege gehen, um Verträge auf den Märkten der wichtigsten Schwellenländer abzuschließen", stellte der TI-Vorsitzende Peter Eigen am Dienstag bei der Vorstellung des BPI-2002 in Paris fest.

"Die Regierungen der reichen Staaten wollen weiterhin nicht begreifen, dass der faire Welthandel durch Bestechungsgelder der multinationalen Konzerne untergraben wird", kritisierte Eigen weiter.

14.5.2002 13:05