Montag, 13. Mai 2002

Aktion "Arbeit & Alter": Jobs älterer Mitarbeiter sichern!

  • Appell: Erfahrungswissen muss nicht verloren gehen
  • Ab 2025: Doppelt so viele 50- bis 64-Jährige wie 15- bis 24-Jährige

Noch nie waren Europas Berufstätige so alt wie heute. Und es wird noch schlimmer: Arbeitnehmer werden immer älter, die Zahl der Jobsuchenden über 55 steigt weiter. Dass ältere Menschen weniger produktiv sind als jüngere, täuscht. Und hier setzen Arbeiterkammer und Industriellenvereinigung an. Sie präsentierten mit der Initiative "Arbeit & Alter" ein Konzept, wie Jobs älterer Mitarbeiter gesi chert werden können.

Europa ist einem tiefgreifenden, demografischen Wandel unterworfen. Österreich ist dabei keine Ausnahme: Im Jahr 2001 waren bereits mehr als 14 Prozent der Beschäftigten über 50 Jahre alt. Im Jahr 2025 wird europaweit die Altersgruppe der 50- bis 64-Jährigen doppelt so groß sein wie die Altersgruppe der 15- bis 24-Jährigen. Noch nie waren Europas Gesellschaften und Belegschaften so alt wie heute und noch nie war der Nachwuchs an jungen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern so gering, wie er es in den nächsten Jahrzehnten sein wird.

Die Beschäftigung älter werdender Mitarbeiter zu sichern, gewinnt zunehmend an Bedeutung. Das betonten AK-Präsident Herbert Tumpel und IV-Generalsekretär Lorenz Fritz, die die gemeinsame Initiative "Arbeit & Alter" präsentierten. "Eine Arbeitsorganisation, die die natürliche Entwicklung älter werdender Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter berücksichtigt, ist mit organisatorischen oder personellen Veränderungen in der Lage, die Produktivität des betreffenden Mitarbeiters zu erhalten oder sogar zu steigern", so IV-Generalsekretär Fritz.

AK-Präsident Tumpel verwies auf die gegenwärtig schwierige Situation älterer Arbeitnehmer am Arbeitsmarkt. "Älteren Arbeitnehmern werden im Arbeitsprozess nahezu nur Defizite zuerkannt", kritisierte Tumpel. In der Folge werden Ältere am Arbeitsmarkt diskriminiert, beim Wechsel von Arbeitsplätzen werde deutlich, dass Arbeitnehmer spätestens ab 40 als alt gelten, Frauen bereits noch früher.

Nach heutigen wissenschaftlichen Erkenntnissen findet mit dem Älterwerden im Erwerbsprozess aber kein Abbauprozess statt, sondern ein qualitativer Umbauprozess. Die körperlichen Kapazitäten nehmen ab, die geistig-sozialen Fähigkeiten nehmen zu. Diese rein biologische Entwicklung findet in der Unternehmensorganisation noch keinen Niederschlag. Notwendig sei die Förderung der Kompetenz der Älteren, die Sichtbarmachung des Erfahrungswissens und altersgerechte Arbeitsplätze für Ältere, sagte Tumpel.

Mit der neu eingerichteten Internetwissensdatenbank "www.arbeitundalter.at" sollen Betriebsrätinnen, Betriebsräte und Personalverantwortliche bei der Einrichtung altersgerechter Arbeitsplätze unterstützt werden. Die gemeinsame Initiative steht auch im gesamteuropäischen Kontext des Lissabon-Prozess betonten die beiden Sozialpartner. So wurde beim EU-Gipfel von Barcelona beschlossen, dass bis zum Jahr 2010 das durchschnittliche Pensionsantrittsalter um 5 Jahre gesteigert werden soll. Der Gipfel von Stockholm hat sich wiederum das Ziel gesetzt, die durchschnittliche Beschäftigungsquote in der Europäischen Union für ältere Männer und Frauen (zwischen 55 und 64 Jahren) bis 2010 auf 50 Prozent zu steigern.

13.5.2002 15:32