Montag, 13. Mai 2002

Postamt beim Greißler bringt Kunden und Umsatz

  • Postdienste bringen monatlich 500 bis 700 Euro Umsatz
  • 160 "Postpartner" bis Jahresende geplant

Von ursprünglich 2.300 Postämtern wird die Post bis Ende Mai bereits 452 zugesperrt haben. Bis Ende Juni sollen weitere 186 folgen - insgesamt also 638 Postämter, die "zusammengelegt" werden. Dann ist - "aus heutiger Sicht" - Schluss. In 245 Gemeinden hat es die Post aber geschafft, Alternativen zu bieten: Großteils Nahversorger nehmen als Post-Partner das Sortiment auf ihre Kappe.

60 Gemeinden erhalten immerhin eine Servicestelle mit eingeschränktem Angebot im Gemeindeamt und in 25 Orten wird im Gemeindeamt eine Hinterlegungsstelle eingerichtet. In den übrigen Gemeinden gibt es keinen örtlichen Postamtsersatz, der Landzusteller wird die Aufgaben der Post übernehmen.

Die Post investiert in die Postämterzusammenlegungen heuer insgesamt 5 Mill. Euro, davon rund 900.000 Euro in das Postpartnerprogramm. Mit letzterem gibt es unterdessen erste Erfahrungen. Genau ein Jahr ist es her, dass das erste Postamt Österreichs in ein Lebensmittelgeschäft übersiedelte.

Der erste "Post-Partner" war Ferdinand Moser mit seinem rund 200 Quadratmeter großen Adeg-Laden in der 1.800 Seelen-Gemeinde Stein an der Enns in der Dachstein/Tauern-Region. Er zieht eine postive Bilanz aus dem ersten Jahr: Immerhin bringe ihm die Post-Partnerschaft monatlich rund 500 bis 700 Euro Umsatz. Gemessen am Jahresumsatz von rund 880.000 Euro keine Riesensumme, die Postpartnerschaft habe sein Geschäft aber langfristig abgesichert, meint Moser.

"Durch die Postpartnerschaft kommen mehr Leute ins Geschäft, die doch auch was anderes einkaufen." Insgesamt sei die Kundenfrequenz in seinem Geschäft um 7 bis 8 Prozent gestiegen. Der Umsatz habe sich um 10 Prozent erhöht, freut sich Moser.

Die Kosten habe weitgehend Post und Land übernommen. Die Startinvestitionen von 9.450 Euro tragen zu 60 Prozent die Post und zu 40 Land und Gemeinde. Der Händler übernimmt nur die laufenden EDV-Kosten von 150 Euro im Monat. "Aber selbst die zahlt in manchen Orten schon die Gemeinde", weiß Moser.

47 Partner arbeiten schon
47 Postpartner haben österreichweit bereits ihren Dienst aufgenommen, allen am Montag haben neun neue Partner aufgemacht, zu 77 Prozent Lebensmittelhändler, aber auch Drogerien, Tourismusverbände, Tankstellen, Trafiken, Apotheken und sogar ein Farbhändler und eine Kfz-Werkstatt. Bis Ende des Jahres sollen es 160 sein. Mehr geht leider nicht. Warum? "Weil in manchen Orten kein Nahversorger mehr vorhanden ist oder weil die Kundenfrequenz so gering ist, dass eine Post-Partnerschaft für den Partner nicht rentabel wäre", so Halbmayr.

Dabei gäbe es insgesamt 2.500 Betriebe, die an einer Post-Parternschaft interessiert seien, weiß Erich Lemler, Obmann der Bundessparte Handel in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ). "Wir haben vorgeschlagen, die ganze Post zu übernehmen, aber Halbmayr hat abgelehnt", sagt Lemler.

Der Obmann honoriert allerdings die Bemühungen der Post, zu den geschlossenen Postämtern Alternativen anzubieten. Bei den Gerichten und Gendarmerien habe es solche Alternativen nicht gegeben.

Einvernehmen mit den Gemeinden
Im Zuge des Erlass einer neuen Universaldienstverordnung (UDVO), die als gesetzliche Grundlage für die Postämterschließung gilt, hat sich die Post außerdem verpflichtet, bei den Postämterschließungen nur im Einvernehmen mit den betroffenen Gemeinden vorzugehen. Dafür wurde eine eigene Kontrollkommission eingerichtet, die sich aus einem Vertreter der Post, einem Repräsentanten des Österreichischen Gemeindebunds und einem gemeinsam ernannten Nahversorgungsexperten zusammensetzt.

320 Protestschreiben aus 260 Gemeinden sind mittlerweile bei der Kommission eingelangt. 157 sind laut Halbmayr "bereits erledigt", in 20 Gemeinden wird derzeit nachverhandelt, der Rest wird noch bearbeitet. In den abgeschlossenen Fällen sind die Postämter wie geplant zugesperrt worden. "Ob letztendlich alle zusperren werden, lässt sich im Einzelfall noch nicht sagen", so Halbmayr.

13.5.2002 13:31