DFB-Teamchef Völler fordert Sieg gegen Österreich
- "Schluss mit der Mitleid-Schiene"
Endgültig Schluss mit dem verständnisvollen "Onkel Rudi" - Teamchef Völler erklärte alle Schonzeiten für beendet und einen Sieg im im Prestigeduell gegen Österreich zur Pflicht. Das Trauer-Kapitel um Bayer Leverkusen ist abgeschlossen, der Personaltausch Frank Baumann für Christian Wörns unspektakulär vollzogen. "Jetzt muss man einfach den Schalter so umlegen, dass es nach vorn geht", duldet der 42-jährige Völler vor seiner ersten WM als Teamchef keine weiteren Diskussionen um fehlende Spiele, verlorene Finali und mögliche psychische Folgeschäden.
Mit einem Sieg gegen Österreich will Völler im deutschen Fußball-Volk zudem ein besseres WM-Klima schaffen. Zwar habe er seit Tagen gepredigt, dass die Ergebnisse in der Vorbereitung nicht entscheidend seien. "Aber ich bin auch Profi genug und weiß, dass es sehr wichtig ist, gerade nach dem Spiel in Wales für eine etwas positivere Stimmung in der Bevölkerung zu sorgen", sagte der Teamchef. "Wir werden von Beginn an anders als in Wales auftreten, das kann ich versprechen", betonte Völler.
Zwei exzellente Defensivspieler fehlen
"Ich will nicht groß lamentieren. Natürlich sind uns zwei exzellente Defensivspieler ausgefallen", kommentierte er nochmals die Absagen von Jens Novotny und des am Meniskus verletzten Dortmunders Wörns. "Aber den Jungs, die jetzt hier sind, muss man das Vertrauen schenken. Und das werde ich tun", unterstrich der oberste DFB-Sportchef.
Nicht mit Mitleid übertreiben
Nach der zweiten Etappe der Team-Findung weiß die Mannschaft deutlicher denn je, dass Völler seine Linie ohne Rücksicht auf andere Interessen durchzieht. Seine Auftritte in der Öffentlichkeit sind kurz und klar, ein Sonderurlaub für die geschlauchten Leverkusener war nie in Diskussion. "Die müssen auch wissen, dass trotz brutalem Frust eine WM vor der Tür steht. Man darf nicht übertreiben mit der Mitleid-Schiene", erklärte Völler, der zwar gegen Österreich noch auf die Bayer-Spieler verzichtet, sie aber am Samstag fern ihrer Familien zu einem leichten Lauftraining bittet.
Völler erinnert sich
Logischerweise könnten nicht nur Gewinner zur WM fahren, möchte der Chefcoach nicht mehr länger das Thema der unglücklichen Leverkusener behandeln. Er habe 1985/86 mit Bremen auch 32 Spieltage an der Tabellenspitze gestanden und dann doch noch die Meisterschaft verloren. "Und in Mexiko bin ich dennoch fast Weltmeister geworden", erinnerte Völler an eigene Erfahrungen.
Große Personalsorgen
Seine Zufriedenheit über die bisher schwierige WM-Vorbereitung stufte Völler trotz großer Personalsorgen und trotz des 0:1 von Cardiff immerhin mit rund 70 Prozent ein. Weitere Prozentpunkte würden nun ein Sieg und eine couragierte Vorstellung im 32. Vergleich gegen Österreich bringen, bei dem der Berliner Marko Rehmer nach neun Wochen Verletzungspause sein Comeback feiern soll. "Das ist für unseren Nachbarn immer das Spiel der Spiele", erwartet Völler einen heißen Tanz, zumal auch Hans Krankl, der österreichische Held des 3:2-Siegs von Cordoba bei der WM 1978, "noch relativ frisch ist als Nationaltrainer".
Ausrutscher ist verboten
Völler weiß, dass die deutschen Fans ihm und seinem Team einen erneuten Ausrutscher vor der WM nur schwer verzeihen würden. Häme und innere Unruhe sind das Letzte, was er ab 21. Mai in Japan gebrauchen kann. "Beweisen müssen wir nichts, wir müssen uns auf die WM vorbereiten und Österreich schlagen."
