Tschechien überlegt Erklärung zu Benes-Dekreten
- "Verschiedene Überlegungen" in Tschechien
·Die Fakten
Wissenslücken in Ö und in Tschechien
"Es gibt verschiedene Überlegungen", sagte der tschechische Botschafter in Österreich, Jiri Grusa, auf die Frage nach einer Erklärung Tschechiens zu den Benes-Dekreten am Rande einer Veranstaltung in Wien. Es werde nachgedacht. "Die Sache" sei allerdings keinesfalls klar.
"Einige sind der Meinung wie ich, dass eine Erklärung ein Zeichen tschechischer Reife wäre. Für andere ist es ein Klein-Beigeben." Grusa konstatiert allerdings eine positive Entwicklung.
Gefährliches Prestigedenken
Das "Prestigedenken im Sinne der alten Kategorien" sei sehr gefährlich, betonte Grusa. "Es hat sich gezeigt, dass das Reiten auf dem alten Pferd der Geschichte nicht immer ritterlich ist." Die Europäische Union sei ein gutes Parkett zum Tanzen: "Es muss ja nicht immer Wiener Walzer sein, es kann auch Polka sein", sagte Grusa. Es sei wichtig, gemeinsam einen Themenkatalog zu verfassen und eine gemeinsame Perspektive aufzubauen: "Dann ist auch eine gemeinsame Retrospektive möglich". Dadurch, dass man zuerst eine getrennte Retrospektive habe durchsetzen wollen, habe man "die Situation verbaut", sagte Grusa.
Auf die Frage, wie er die derzeitige Haltung Österreichs zu den Benes-Dekreten beurteile, sagte Grusa, die Situation habe sich "ein bisschen beruhigt". Die "schroffen Töne" seien "lokalisiert auf die geographischen Breiten, die ihnen zustehen". Wenn man Kritik höre, und auch Tschechien sei nicht ohne Tadel, müsse man auch "die Absicht der Kritik erkennen". Nun seien die "böswilligen Töne" nicht mehr vorhanden, und es gebe sachliche statt emotionaler Kritik. Die Lage kläre sich, und das sei eine "gute Entwicklung".
Zur bevorstehenden Erweiterung der Europäischen Union sagte Grusa, diese sei keine "gönnerhafte Tat für die Oststaaten", sondern eine "kluge Verlängerung": "Nicht der Osten wird erweitert, sondern der Westen verlängert", so der Schriftsteller und Diplomat.
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