Orient-Express - ein Mythos, der nicht sterben will
- Die Idee hatte der 27-jährige Belgier Georges Nagelmackers

Vor 25 Jahren verließ der legendäre Orient-Express am Abend des 19. Mai 1977 den Pariser Bahnhof Gare de l'Est in Richtung Istanbul zum letzten Mal. Die großen Zeiten des Eisenbahnverkehrs waren vorbei. Das Flugzeug hatte dem Luxus-Zug mit Champagner und Kaviar-Angebot längst die Schau gestohlen.
Doch es sollte nicht lange dauern, bis Nostalgiker den Orient-Express wieder zu neuem Leben erweckten. Immer wieder verkehren seither Luxuszüge unter dem Namen "Orient-Express" in Europa und Asien, um Touristen - darunter auch Popstar Michael Jackson - besondere "Schienenkreuzfahrten" in Plüschsesseln und seidenen Laken der "Wagons-Lits" zu bieten.
Spätestens mit Agatha Christies Roman "Mord im Orient-Express" und dessen Verfilmung gelangte der Zug, der am 5. Juni 1883 zu seiner Jungfernfahrt gestartet war, zu Weltruhm. Als "Train d'Orient" verließ er mit Schlaf- und Speisewagen die französische Hauptstadt, um über Straßburg, München, Wien, Budapest, Belgrad und Bukarest den rumänischen Donauhafen Giurgiu anzusteuern. Mit einer Fähre und einem Lokalzug durch Bulgarien ging es nach Varna am Schwarzen Meer und per Dampfer weiter nach Istanbul.
Speisewagen: Gesellschaftlicher Treffpunkt
Erst sechs Jahre später gab es eine durchgehende Verbindung zwischen Paris und Istanbul ohne Umsteigen und Wechsel der Verkehrsmittel. Die Fahrzeit verkürzte sich von vier Tagen auf 67 Stunden. Gesellschaftlicher Treffpunkt des rollenden Luxushotels war der Speisewagen, in dem behandschuhte Kellner Austern servierten. Für die Herren gehörte es zum guten Ton, sich nach dem Essen im Raucherwaggon bei feinstem Cognac und edelsten Havanna-Zigarren zu versammeln.
Die Idee zu diesen Luxusfahrten quer durch Europa hatte der 27-jährige Belgier Georges Nagelmackers aus den USA mitgebracht, wo er sich von den Brüdern Pullman inspirieren ließ. Er schuf 1872 in Europa die "Compagnie Internationale des Wagons-Lits". Seine Gesellschaft wurde bald international bekannt - die meisten Königshäuser der damaligen Zeit gehörten zur Kundschaft. Das Ansehen war so groß, dass das Monogramm der Gesellschaft mit zwei goldenen Löwen zum Synonym für Luxus und Lebensart wurde.
Blütezeit zwischen den beiden Weltkriegen
Seine Blüte erlebte der Orient-Express zwischen den beiden Weltkriegen. Doch noch während des zweiten wurde sein Niedergang eingeläutet. Komfortables Reisen im luxuriösen Ambiente von Tafelsilber, Porzellantellern und Kristalllüstern war vorerst vorbei. Nach 1945 war der Zug kaum noch mehr als ein Transportmittel, das auf Grund der politischen Verhältnisse selten über Wien hinaus seine Fahrt fortsetzen konnte. Als ihn zudem im Laufe der Zeit Auto und Flugzeug immer mehr ersetzten und die durchschnittliche Zahl der Fahrgäste zwischen Wien und Bukarest auf "1,5 Personen" gesunken war, wurde der Betrieb 1977 eingestellt.
Doch der Mythos lebte weiter: So schickte auch die Deutsche Bundesbahn zu ihrer 150-Jahr-Feier 1985 einen Orient-Express zwischen Nürnberg, Würzburg und Salzburg auf die Reise. Mit der Hand geschriebene Platzkarten, frische Blumen und dezentes Kerzenlicht erwarteten damals die Reisenden in den Pullmann- und Salonwagen, die heute einer Schweizer Reisegesellschaft gehören.
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