Donnerstag, 16. Mai 2002

Frauen trotz besserer Bildung immer noch benachteiligt

  • Studie über "Geschlechtsspezifische Disparitäten"

Frauen haben zwar in den letzten Jahren vor allem im Bereich der Bildung stark aufgeholt, sie sind in der Gesellschaft aber immer noch benachteiligt. Auch bei gleicher Ausbildung haben Frauen niedrigere Positionen als Männer und sie verdienen auch weniger. Dazu kommt, dass sie mit dem Haushalt auf eine deutlich höhere Arbeitszeit kommen. Das geht aus der Studie "Geschlechtsspezifische Disparitäten" hervor, die die Statistik Austria im Auftrag von Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) und Sozialminister Herbert Haupt (F) erstellt hat.

Bei der Präsentation der Studie bezeichnete sich Gehrer am Donnerstag selbst als "Anhängerin der positiven Diskriminierung". "Solange nicht 52 Prozent der wichtigen Positionen bei gleicher Qualifizierung mit Frauen besetzt sind, müssen Frauen bevorzugt werden." Haupt meinte, dass Frauen künftig auch bessere Chancen im Beruf und damit auch höhere Einkommen und Pensionen haben werden, weil sich die Bildung verbessert habe. Der Generaldirektor der Statistik Austria, Ewald Kutzenberger, bestätigte, dass es einige Zeit dauere, bis sich die bessere Bildung der Frauen auch in höheren Positionen und Einkommen niederschlage.

In den Bildungsinstitutionen haben die Mädchen stark aufgeholt. In den Allgemeinbildenden Höheren Schulen war vor 30 Jahren nur gut ein Drittel der Schüler weiblich, 2000/01 bereits mehr als die Hälfte. Auch an den Universitäten ist der Frauenanteil auf bereits mehr als die Hälfte angestiegen. Bei den StudienanfängerInnen hat sich der Frauenanteil in den letzten 30 Jahren auf 58 Prozent mehr als verdoppelt. Die Akademikerquote ist bei den Frauen von ein auf vier Prozent gestiegen, bei den Männern von vier auf sechs Prozent.

Die Auswahl der Bildung ist aber nach wie vor stark geschlechtsspezifisch. Fast die Hälfte der Mädchen wird nur in drei Lehrberufen ausgebilden, nämlich als Einzelhandels-, Bürokauffrau bzw. Friseuse. Auch bei den Studien werden zwei Drittel der Geistes- und Naturwissenschaften von Frauen inskribiert. Die Domäne der Männer ist weiter das technische Studium - der Frauenanteil beträgt hier nur 17 Prozent. Frauen haben aber in den Rechts- sowie Sozial- und Wirtschaftswissenschaften aufgeholt, im Medizinstudium sogar von 30 auf 57 Prozent.

Vor allem mit Weiterbildung will Gehrer den Frauen helfen. Gezielte Weiterbildung für Frauen auch während der Karenzzeit sei die große Herausforderung der nächsten Jahre. Haupt kündigte für den Herbst eine Werbekampagne an, um mehr Männer in Sozialberufe zu bringen.

16.5.2002 16:11