Donnerstag, 16. Mai 2002

Koalition: Grasser will "lieber arbeiten statt streiten"

  • Westenthaler: "Das mache ich mir mit Khol unter vier Augen aus"
  • Khol zeigte sich vor dem Ministerrat ungerührt

Kriselt´s in der Koalitionsehe? Im Vergleich zu den Wort-Attacken der letzten Tage waren am Dienstag "gemäßigte" Töne zu hören. Finanzminister Grasser (F) vor dem Ministerrat: Es sei sinnvoller, "Reformen für Österreich auszuarbeiten als kleinkarierte Diskussionen zu führen". Dieser Appell richte sich an all jene, die zu den Debatten in den letzten Tagen beigetragen hätten. Es sei klüger zu arbeiten als zu streiten. Zurückhaltend gab sich der sonst so wortgewaltige FPÖ-Klubchef. Peter Westenthaler: Heute sei nicht der Tag, über solche Themen öffentlich zu diskutieren. Auch die Koalitionsspitzen zeigen sich mit dem Klima zufrieden.

Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) pochte darauf, dass die Koalition funktioniere. Ansonsten wären die Beschlüsse gar nicht möglich gewesen.

Für Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer, beweist sich die Regierung durch ihre Arbeit. Riess-Passer vermied es jedoch auf Anfrage, sich näher zu den Ausritten von FP-Klubchef Peter Westenthaler in Richtung des Koalitiunspartners zu äußern.

Die FP-Obfrau erklärte lediglich, mit Westenthaler oft zu diversesten Themen Gespräche zu führen. Über die Inhalte von solchen Vier-Augen-Gesprächen werde sie aber sicher nicht öffentlich berichten. Dieser Standpunkt von ihr sei ja bekannt.

Westenthaler: Stimmung bei der FPÖ bestens
Westenthaler meinte zu seinem Konflikt mit VP-Klubobmann Andreas Khol lediglich: "Das mache ich mir mit dem Khol unter vier Augen aus".

Die mahnenden Worte von FP-Vize Herbert Scheibner, sich mit kritischen Worten in der Öffentlichkeit zurückzuhalten, sieht Westenthaler nicht auf sich gemünzt. Der Verteidigungsminister habe dabei nur interne Themen gemeint: "Soweit ich informiert bin, ist die ÖVP noch kein integrativer Bestandteil der Freiheitlichen." Überhaupt sei die Stimmung bei der FPÖ bestens, und alle Spitzenfunktionäre würden gemeinsam für Reformen arbeiten. Auch der Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider sei wieder "voll an Bord".

Khol zeigte sich vor dem Ministerrat ungerührt. Er habe ohnehin nie eine atmosphärische Störung gesehen. Zu seinem Verhältnis mit Westenthaler meinte er: "Wir haben ein Arbeitsbeziehung". Auch bei der Sitzung vor dem Ministerrat habe Westenthaler eventuelle Differenzen nicht angesprochen.

16.5.2002 14:19