Donnerstag, 16. Mai 2002

AKW Temelin wird auch als Atommüll-Lager dienen

  • Bis 2010 soll ein Zwischenlager entstehen
  • Für 2065 Endlager in Aussicht gestellt

Im südböhmischen Atomkraftwerk Temelin wird bis zum Jahr 2010 ein Zwischenlager für ausgebrannte Brennstäbe entstehen, wie es auch schon im südmährischen AKW Dukovany existiert. Das geht aus einem Konzept des tschechischen Industrie- und Handelsministeriums hervor, das die Prager Regierung am gestrigen Mittwoch billigte.

Der Atommüll soll im Zwischenlager in Containern vom Typ "Castor" gelagert werden, zuvor werde man aber die ausgebrannten Stäbe etwa sechs Jahre in einem Becken neben dem Reaktor kühlen, hieß es.

Für das Jahr 2065 stellt das Konzept vorläufig ein dauerhaftes Tieflager für Atommüll (die Lebenszeit der Zwischenlager liegt bei 50 bis 60 Jahren, Anm.) in Aussicht, weil man nicht damit rechnet, dass das Material kostenpflichtig nach Russland ausgeführt werden wird. Eine Entscheidung über den Ort des dauerhaften Tieflagers soll aber erst später fallen, weil man derzeit noch nicht hundertprozentig sagen könne, ob es wirklich benötigt werde. Tschechische Experten schließen nicht aus, dass man bei dem gegenwärtigen Tempo der Forschungen neue Technologien entwickeln werde, die eine neue Auswertung der ausgebrannten Stäbe, bei der immer noch eine große Energiemenge bleibe, möglich machen.

Da man sich darauf nicht verlassen wolle, werde man schon in den kommenden 15 Jahren die Forschungsbohrungen durchführen. Um das Jahr 2025 soll die Lokalität für das dauerhafte Tieflager bestimmt werden und bis zum Jahr 2041 wird man nachweisen müssen, dass diese Lokalität geeignet ist. Der eventuelle Aufbau des Objektes, dessen Fläche vier Quadratkilometer ausmachen soll, soll dann im Jahre 2065 abgeschlossen sein. Hier würden die ausgebrannten Stäbe in Containern aus Stahl, Kupfer oder Titan gelagert, deren Lebenszeit 500 bis 1.000 Jahre beträgt. Danach werde die Isolationsfunktion eine Ton- und Lehmbarriere übernehmen, die im Stande sei, die radioaktiven Stoffe mehrere Dutzendtausende Jahre zu halten, hieß es.

16.5.2002 10:19