Mittwoch, 15. Mai 2002

NEWS: Österreicher droht Folter & Todesstrafe

  • Grund: Er demonstrierte gegen Menschenrechtsverletzungen
  • Bald wieder in Österreich? Er könnte abgeschoben werden

Der letzte Anruf dauerte nur wenige Sekunden – dann brach das Gespräch ab: „Sie haben mich verhaftet. Bitte holt mich hier raus …!“ Seit 13. Mai ist Alexander Hamrle in der nordchinesischen Stadt Changchun in Haft. Sein Vergehen: Er hatte in China gegen Menschenrechtsverletzungen demonstriert. Vielleicht ist er bald wieder in Österreich: Er könnte bereits heute nach Österreich abgeschoben werden.

Hintergrund der nahezu selbstmörderischen Aktion - die in China mit Folter und Todesstrafe geahndet wird: Hamrle (32), studierter Agrartechniker aus Wien-Landstraße, ist seit mehr als einem Jahr Anhänger von Falun Gong – einer friedlichen Meditationsart, die auf der traditionellen chinesischen Meditationstechnik Qi Gong basiert und weltweit mehrere hundert Millionen Anhänger hat.

Eine „Religion“, die vom kommunistischen Regime in Peking restriktiv verfolgt wird. Nach Meldungen von Amnesty International wurden in China allein in den vergangenen Jahren mehr als 300 Anhänger von Falun Gong durch Folter getötet – weitere 50.000 sind in Haft. Das Strafausmaß für Falun-Gong-Anhänger: 10 Jahre Arbeitslager – Minimum. Alexander Hamrle vor seiner Abreise zu NEWS: „Ich bin durch Zufall auf diese buddhistische Lehre gestoßen und war sofort begeistert. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, warum diese Meditationstechnik in China verfolgt wird – dagegen muss etwas unternommen werden.“

Am 10. Mai besteigt Alexander Hamrle den Flieger nach Peking: Am zehnten Jahrestag der Gründung von Falun Gong will er in Changchu in einer Flugblattaktion auf die Unterdrückung aufmerksam machen. Martin Schrott, Freund des Verhafteten: „Alexander hat damit gerechnet, verhaftet zu werden. Aber die Konsequenzen waren ihm egal. Er dachte, dass ihm als Europäer nicht viel passieren kann.“

Lesen Sie die ganze Story in der neuen Ausgabe von NEWS.

Österreicher könnte in seine Heimat abgeschoben werden
Der Österreicher könnte bereits heute in seine Heimat abgeschoben werden. Dies teilten Außenministerium und ein Sprecher der Österreich-Sektion der in China verbotenen Bewegung mit. Man habe eine mündliche Zusage der zuständigen chinesischen Behörden, hieß es aus dem Außenministerium. Eine schriftliche Bestätigung stehe allerdings noch aus. Der Mann soll demnach in die Hauptstadt Peking gebracht werden. Auch Falun-Gong-Pressesprecher Martin Schrott sagte gegenüber der APA, man habe vom Außenministerium diese Information erhalten.

15.5.2002 14:02