Mittwoch, 15. Mai 2002

Kindergärten: Gusenbauer für 100.000 neue Plätze

  • Innerhalb von fünf Jahren
  • Kosten: 72 Millionen Euro pro Jahr

Die SPÖ hat am Mittwoch den "Tag der Familie" zum Anlass genommen, ihre Anliegen in der Familien- und Frauenpolitik darzulegen. Parteichef Alfred Gusenbauer forderte bei einer gemeinsam Pressekonferenz mit Frauenchefin Barbara Prammer eine Kindergarteninitiative. Konkret will er, dass innerhalb von fünf Jahren mittels eines Stufenplans 100.000 zusätzliche Plätze in Kinderbetreuungseinrichtungen geschaffen werden. Kostenpunkt laut Gusenbauer: 72 Millionen Euro pro Jahr.

Mit den Kinderbetreuungseinrichtungen allein sei es aber nicht getan, die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu forcieren. So verlangte der SPÖ-Chef gleichzeitig Weiterbildungsprogramme für Frauen, um nach einer Karriere-Unterbrechung entsprechend wieder in den Job einsteigen zu können. Ebenfalls auf der Forderungliste der SPÖ stehen eine Anpassung des Kündigungsschutzes (24 Monate) an die Zeit des Kindergeld-Bezugs (30 Monate), ein Rechtsanspruch auf Teilkarenz sowie ein Recht auf Arbeitszeitgestaltung.

Wie entsprechende Modelle funktionieren können, zeige sich in Skandinavien, erklärte Prammer. Dort sei ein Recht auf Arbeitszeitgestaltung bis zum sechsten Lebensjahrs des Kindes vorgesehen. Legistisch könnte dies in Österreich analog zum Urlaubsrecht bewerkstelligt werden, führte die Frauenchefin aus. Stimme der Arbeitgeber dem Wunsch der Dienstnehmerin nicht zu, müsste im Zweifelsfall eine Schlichtungsstelle angerufen werden.

Eine verstärkte Einbeziehung der Frauen in den Arbeitsmarkt ist jedenfalls für die SPÖ die einzige Möglichkeit, den durch die demografischen Entwicklungen zu erwartenden Rückgang der verfügbaren Erwerbstätigen zu stoppen. Angesichts des Geburtenminusrekords sei es hoch an der Zeit, entsprechende Maßnahmen zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu leisten, meinte Gusenbauer. Allerdings dürfe eine höhere Beteiligung der Frauen am Arbeitsmarkt nicht so aussehen, dass Frauen weiter vor allem in schlecht bezahlten Teilzeitjobs landen, warnte Prammer. Daher seien die Qualifikationsmaßnahmen dringend notwendig.

15.5.2002 13:50