Mittwoch, 15. Mai 2002

Den Haag Ex-Präsident der kroat. Serben stellt sich

  • Gemeinsam mit früherem jugoslawischen Armeegeneral Mrksic
  • Martic betont seine Unschuld

Der ehemalige Präsident der selbst proklamierten serbischen Krajina-Republik in Kroatien, Milan Martic (Bild), und der frühere jugoslawische Armeegeneral Mile Mrksic haben sich am Mittwoch dem UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag gestellt. Nach ihrer Ankunft mit einer Linienmaschine aus Belgrad wurden die beiden ins Gefängnis des Tribunals in Scheveningen gebracht, heißt es in einer Aussendung des UNO-Gerichts am Mittwoch.

Martic wird der Granatenbeschuss der kroatischen Hauptstadt Zagreb im Mai 1995 zu Last gelegt, Mrksic der Mord an 200 Menschen aus dem Krankenhaus der ostkroatischen Stadt Vukovar im November 1991.

Ein Termin für den ersten Auftritt der beiden Angeklagten vor dem Tribunal lag zunächst noch nicht vor. Martic soll den Angriff auf Zagreb, bei dem sieben Zivilisten getötet und einige Dutzend Menschen verletzt worden waren, befohlen haben. Direkt vor seinem Abflug aus Belgrad betonte Martic, der jahrelang versteckt in Serbien gelebt hat, er sei unschuldig. Er gehe nach Den Haag, um "für die Wahrheit" über sein Volk zu kämpfen. Der 56-Jährige war Polizeichef, bevor er gegen Ende des Kroatien-Krieges (1991 bis 1995) zum Führer der kroatischen Serben der Republik Krajina aufstieg. Die UNO-Chefanklägerin Carla Del Ponte hatte in der vergangenen Woche angekündigt, die Anklage gegen ihn solle nach seinem Erscheinen vor Gericht erweitert werden.

Martic und Mrksic sind der vierte und fünfte von sechs mutmaßlichen Kriegsverbrechern aus Ex-Jugoslawien, die sich nach einem Aufruf der jugoslawischen Regierung freiwillig dem Kriegsgericht stellen wollten. Als erster Gesuchter hatte sich Ende April der jugoslawische Ex-Generalstabschef Dragoljub Ojdanic dem UNO-Tribunal gestellt. Ebenfalls in Haft sind inzwischen der ehemalige jugoslawische Vize-Regierungschef Nikola Sainovic und Momcilo Gruban, ehemaliger Lagerkommandant im bosnischen Konzentrationslager Omarska. Insgesamt stehen 23 mutmaßliche Kriegsverbrecher auf der Liste des Tribunals, darunter auch der ehemalige bosnische Serbenführer Radovan Karadzic und sein Ex-Armeechef Ratko Mladic, die beide untergetaucht sind.

198 Männer und zwei Frauen erschossen?
Der spätere Kommandant der Armee der Krajina-Serben, Mrksic, wird gemeinsam mit zwei weiteren Mitgliedern der "Vukovar-Troika" der Kriegsverbrechen, der Verbrechen gegen die Menschlichkeit und der Verstöße gegen die Genfer Konventionen beschuldigt. Sie sollen etwa 200 nicht-serbische Menschen aus dem Krankenhaus in Vukovar weggebracht, danach auf einem Bauernhof in Ovcara einige Stunden lang geschlagen haben. Zumindest 198 Männer und zwei Frauen sollen schließlich erschossen und in einem Massengrab verscharrt worden sein, heißt es in der Anklage laut Aussendung des UNO-Tribunals. Mrksic sei nach der Belagerung Vukovars in der jugoslawischen Volksarmee vom Oberst zum General befördert worden.

Unterdessen hat am Dienstag ein Gericht im ostkroatischen Osijek zwölf kroatische Serben in Abwesenheit wegen Kriegsverbrechen aus dem Jahre 1991 zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Das Strafmaß wegen "bewaffneter Rebellion und ethnischer Säuberungen" betrage zwischen 13 und 15 Jahre, berichten kroatische Medien am Mittwoch.

Mit Hilfe der jugoslawischen Volksarmee haben sich die kroatischen Serben im Jahr 1991 der Unabhängigkeit der damaligen jugoslawischen Teilrepublik Kroatien widersetzt und etwa ein Drittel des Staatsgebiets Kroatiens unter ihre Kontrolle gebracht. Daraufhin gründeten sie einen eigenen Staat, die so genannte Serbische Krajina. Im Sommer 1995 eroberte die kroatische Armee das Gebiet zurück.

15.5.2002 13:14