Dienstag, 14. Mai 2002

Polnischer Musiker tötete 43-jährige Prostituierte

  • Für lächerliche Beute von umgerechnet 15 Euro
  • Urteilsspruch: "Lebenslang"

Nach knapp zweistündiger Beratung ist am Mittwochnachmittag im Wiener Straflandesgericht Arthur L. wegen Mordes an der Prostituierten Elisabeth A. (43) zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Der 29-jährige Musiker hatte die Frau in der Nacht zum 17. März 2000 in ihrem Bordell in der Mariahilfer Straße in Wien-Fünfhaus überfallen und - als sie um Hilfe schrie und flüchten wollte - mit sieben Messerstichen getötet.

Bereits drei Monate zuvor war der gebürtige Pole mit seinem gleichaltrigen Landsmann Kazimierz J. in drei Wiener Bordelle eingedrungen, wo die beiden die Prostituierten ihrer Barmittel und ihres Schmucks beraubten und sie anschließend zum Teil sexuell missbrauchten. Kazimierz J. erhielt vom Schwurgericht (Vorsitz: Anton Baumgartner) für seine Beteiligung an dem Raubzug und den Sittlichkeitsverbrechen zehn Jahre Haft. Die Urteile sind nicht rechtskräftig.

Eigentlich wollte Artur L. (29) in jenem Bordell in Wien-Fünfhaus, "nur" zu Geld kommen. Doch als der unter akutem Geldmangel leidende Musiker in der Nacht zum 17. März 2002 vor Elisabeth A. (43) sein Springmesser zückte, rief die Prostituierte um Hilfe und wollte flüchten. Das kam ihrem Todesurteil gleich: Der Mann stach wahllos auf sie ein. "Die Frau ist in Panik geraten, hat zu schreien angefangen und ist auf mich losgegangen", erklärte der gebürtige Pole, der vor zehn Jahren nach Österreich gekommen war, um hier Geld zu verdienen. Die Schreierei sei ihm "zu viel" gewesen, so der 29-Jährige in seinem Mordprozess. "Ich habe auf sie gestochen. Ich habe nichts dabei gespürt."

Während die Schwarzafrikanerin auf ihrem Bett verblutete - der Täter hatte sie vor allem im Brust- und Bauchbereich getroffen -, nahm Artur L. aus einem Sektglas 14,5 Euro und versuchte seine Spuren zu verwischen, indem er herumliegende Kleidungsstücke der Sterbenden anzündete. Danach verließ er das Bordell. Feuer brach nicht aus - die Flammen griffen nicht auf die Räumlichkeiten über.

In der Verhandlung versuchte der mutmaßliche Mörder, der äußerlich eher an einen unschuldigen Firmling erinnert, sein Motiv darzulegen: In dem Lokal, in dem er musizierte, habe man ihm immer zu wenig ausbezahlt. Er sei deswegen im Begriff gewesen, seine Wohnung zu verlieren. "Und ich habe auch einen Sohn in Polen, der etwas von mir erwartet hat", meinte Artur L.

Auf die Spur von Artur L. führte "Kommissar DNA": Im April konnte er nach einer Diebstahlserie in Hainburg an der Donau festgenommen werden. Man entnahm ihm einen Mundhöhlenabstrich, und ein DNA-Gutachten ergab, dass sein genetischer Fingerabdruck zu dem im Zusammenhang mit den Bordell-Überfällen gesuchten Täter passte.

14.5.2002 12:36