Montag, 13. Mai 2002

Kölner SPD-Spendenaffäre: Schlüsselfigur packt aus

  • Weitere illegale Zahlungen zugegeben

Die Spendenaffäre in Köln lässt die SPD nicht zur Ruhe kommen: Die Schlüsselfigur des Skandals, der frühere Kölner Fraktionschef Norbert Rüther (Bild), räumte vor der Justiz weitere illegale Zahlungen ein.

Rüther sagte der Staatsanwaltschaft, dass die Partei deutlich mehr illegale Spenden angenommen habe als bisher bekannt. Vor einer Woche hatte SPD-Generalsekretär Franz Müntefering noch erklärt, der Spendenskandal sei aufgeklärt.

Der "Kölner Stadtanzeiger" zitierte Rüther am Montag mit den Worten, er allein habe 30 bis 35 so genannte Dankeschön-Spenden von Firmen angenommen, die zuvor städtische Aufträge erhalten hatten. Bisher war von 14 Spenden die Rede gewesen, die im Zusammenhang mit dem Bau der Kölner Müllverbrennungsanlage stehen sollen. Eine Sprecherin der Kölner Staatsanwaltschaft sagte der dpa zu dem Bericht: "Das stimmt im Wesentlichen." Rüther schloss bei der Vernehmung nicht aus, dass zusätzlich andere Personen Spenden entgegen genommen hätten. Außerdem habe es bei der Kölner SPD bereits seit den 70er Jahren schwarze Kassen gegeben. Rüther belastet damit auch seine Vorgänger Klaus Heugel und Toni Klefisch. Beide hätten von ihm ausdrücklich erwartet, dass er Spenden akquiriere, berichtete der "Kölner Stadtanzeiger".

Nach Angaben aus Parteikreisen könnte sich nun auch die Frage stellen, ob bereits vor den 90er Jahren Spendenquittungen zum Kaschieren illegaler Barspenden ausgestellt wurden. Zumindest bei den bisher eingeräumten Spenden war teilweise bekannt geworden, dass sie über fingierte Spendenquittungen in die Parteikasse transferiert wurden. Gegen insgesamt 42 Kölner SPD-Mitglieder wird ermittelt, weil sie dieses System indirekt über die Annahme falscher Bescheinigungen unterstützt haben sollen. Gegen 30 Parteiangehörige hat der Landesvorstand Schiedsverfahren eingeleitet, die mit dem Parteiausschluss enden können.

Rüther war am 4. März von allen politischen Ämtern zurückgetreten und hatte auch seine Partei verlassen. Wenige Tage später zog auch Ex-Schatzmeister Manfred Biciste die Konsequenzen aus dem Skandal und trat zurück. Bislang hat der Landesvorstand eigenen Angaben zufolge anhand der Spendenquittungen die Summe von 510.000 Mark (rund 261.000 Euro) rekonstruiert. Der Verbleib von weiteren 300.000 Mark sind danach noch unklar.

13.5.2002 15:06