Tourismus-Flaute & "Sandkrieg" um Mallorcas Strände
- Die Sonneninsel wird zum Regenloch

Die Balearen-Insel Mallorca steckt in einer echten Krise. Auf der Sonneninsel will sich einfach kein schönes Frühlingswetter einstellen. Sturm und Regen spülen die Strände weg, die Touristen bleiben aus. Dazu kommt auch noch ein politischer Streit um den Sand: Während Spaniens Zentralregierung eifrig Sand vom Meeresgrund emporhievt, um die Strände neu aufzuschütten, erklärt die Regierung der Balearen immer mehr Küstenstreifen zu Meeresreservaten, um die "Sand-Plünderung" zu stoppen.
Einmal gießt es wie aus Eimern, dann nieselt es wieder stundenlang vor sich hin. Aus der Sonneninsel Mallorca scheint ein Regenloch geworden zu sein. Die Bewohner und die Urlauber auf der spanischen Ferieninsel verlieren allmählich die Geduld. Schon in den Osterferien war es ungewöhnlich nass und kalt gewesen. Nun herrschen auch noch im Mai eine Woche lang Sturm und Regen. Das hat es seit Jahrzehnten nicht gegeben.
"Das graue Einerlei nervt nicht nur die Urlauber, es geht auch an die wirtschaftliche Substanz der Insel", schreibt das "Mallorca Magazin". In den Hotels steht die Hälfte der Zimmer leer. Um Kosten zu sparen, schickten die Hoteliers einen Teil ihrer Bediensteten in unbezahlten Urlaub. Dabei hatten die Inselbewohner sich anfangs noch über den Regen gefreut; denn bis zum vorigen Sommer war das Trinkwasser nach einer langen Trockenheit knapp gewesen. Aber mittlerweile sind die Stauseen und Brunnen längst wieder gefüllt.
Bereits fünf Unwetter seit Herbst
Die jüngsten Regenstürme waren bereits das fünfte Unwetter, das seit dem Herbst das westliche Mittelmeer heimsuchte. Schlimmer als Mallorca war diesmal die Ostküste des spanischen Festlands betroffen. An der Costa Brava, in Barcelona und an der Costa Dorada spülte die aufgepeitschte See an Dutzenden von Stränden den Sand weg. "Eine solche Serie von verheerenden Unwettern habe ich in meinem Leben noch nicht gesehen", sagt der Fischer Josep Costa, der seit vier Jahrzehnten im Mittelmeer seine Netze auswirft.
Nun soll in aller Eile neuer Sand aufgeschüttet werden. "Wir haben uns schon ans Werk gemacht und hoffen, dass unsere Strände sich in einem Monat wieder in alter Pracht präsentieren", meint ein Beamter an der Costa Dorada. Einige Gemeinden räumten allerdings ein, dass sie ihre Strände kaum noch bis zum Beginn der Hauptsaison herrichten können.
Politischer Streit um Sandstrände
Auf Mallorca ist die Instandsetzung der Badestrände dagegen nicht so sehr ein Wettlauf mit der Zeit. Sie wurde vielmehr zu einem Politikum, das einen großen Streit auslöste. Spaniens Zentralregierung lässt eifrig mit einem Baggerschiff Sand vom Meeresgrund emporhieven und die Strände neu aufschütten. Damit löste sie jedoch heftige Proteste der Umweltschützer und der rotgrünen Balearen-Regierung in Palma de Mallorca aus.
Die Gegner der Aufschüttung argumentieren, dass damit der Seegras-Bestand im Meer zerstört und das ökologische Gleichgewicht der Küstengewässer angegriffen werde. Die Aktion bedeute eine riesige Geldverschwendung, weil die künstlich hergerichteten Strände die ersten seien, die beim nächsten Unwetter wieder weggespült würden. Die Umweltschützer wollen, dass die Strände sich auf natürliche Weise neu bilden. Andere sind da skeptisch. "Viele Mittelmeerstrände in Spanien sind Ex- und Hopp-Strände", meint die Zeitung "La Vanguardia". "Sie können sich gar nicht natürlich regenerieren, weil die Bebauung zu nah an die Küste herangerückt ist."
Sandkrieg zwischen Mallorca und Madrid
Der "Sandkrieg" auf Mallorca führte so weit, dass die Balearen-Regierung das Gebiet bei Cap Salines vor der Südküste zum Meeresreservat erklärte und damit weitere Sandausgrabungen stoppte. "Die Balearen sind die einzige Region in ganz Spanien, in der die Herrichtung der Strände behindert wird", beklagte sich der spanische Umweltminister Jaume Matas, selbst ein gebürtiger Mallorquiner. Er lässt bei Banyalbufar vor der Nordküste Mallorcas weiter Sand ausbaggern. Dort wurde aber nun eine Muschelart entdeckt, die bisher als ausgestorben gegolten hatte. "Diese Art ist möglicherweise bis zu 20 Millionen Jahre alt", erläutert der Biologe Cristian Ruiz Altaba. "Wenn das Ausbaggern fortgesetzt wird, könnte das vielleicht älteste Lebewesen des Mittelmeers in wenigen Tagen definitiv verschwinden."
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