Sonntag, 12. Mai 2002

BirdLife warnt vor Windräder-Wald

  • Lebensraum der Vögel gefährdet
  • Studie soll "Raumanspruch" der Zugvögel erheben

Die Windkraft boomt - vor allem im Bezirk Neusiedl am See. Hier gibt es zwei Windparks mit insgesamt 18 Windrädern, bei denen es sich auch um die höchsten Österreichs handelt. Weitere Windparks sind in Planung, doch BirdLife Österreich warnt vor den möglichen Auswirkungen dieser umweltfreundlichen Energiegewinnung: "Umweltfreundlich ist nicht gleich naturverträglich."

"Speziell für Vögel sind gravierende Beeinträchtigungen in ihrem Lebensraum möglich", so der Geschäftsführer von BirdLife Österreich, Dr. Andreas Ranner. "Bei Bodenbrütern wurde beobachtet, dass sie Angst vor den riesigen Windrädern haben. Sie weichen aus und wandern ab. Kiebitze sowie Lerchen z.B. suchen sich lieber einen anderen Brutplatz, bevor sie in der Nähe dieser Riesen brüten."

Eine Reihe neuer Windpark-Projekte könnte zum Problem werden, warnt der Experte. "Denn genau in den in Frage kommenden Gebieten gibt es ein Großtrappen-Vorkommen und auch Seeadler brüten hier. Diese beiden Vogelarten sind akut vom Aussterben bedroht. Vor allem die Großtrappe, die es sonst im Burgenland nur mehr im Hansag gibt, könnte von den Windrädern massivst gefährdet sein. Der schwerste flugfähige Vogel der Welt braucht große, freie Flächen, auf denen er leben kann und wo er ungehindert aufsteigen und landen kann." Daneben kommt dem Gebiet auf der Parndorfer Platte durch seine Lage zwischen Neusiedler See und Donau eine wichtige Rolle als Durchzugsgebiet zu.

"BirdLife als weltweit anerkannte und agierende Naturschutzorganisation begrüßt natürlich die Möglichkeit der sauberen Energiegewinnung", betont Ranner. "Aber man muss sicherstellen, dass die Natur nicht zu Schaden kommt. Die Standorte müssen so gewählt werden, dass die einmaligen Vogelbestände nicht negativ beeinträchtigt werden." So überfliegen auch Silberreiher des Neusiedler Sees zur Nahrungssuche regelmäßig die Parndorfer Platte, auf der - so heißt es hinter vorgehaltener Hand - mindestens 200 Windräder errichtet werden sollen.

BirdLife wird daher im Rahmen einer Studie die Raumansprüche ansässiger Großvögel sowie die Zugstraßen jener Vogelarten, die das Gebiet regelmäßig überfliegen, ausweisen, damit bei der Planung der Anlagen darauf Rücksicht genommen werden kann. Der Auftrag zu dieser Studie kommt von der Burgenländischen Landesregierung.

Auch Jäger haben Bedenken
Auch die örtlichen Jagdgesellschaften sind von der Errichtung weiterer Windräder wenig begeistert, denn schon jetzt bemerken sie, dass sowohl Rehe wie auch andere Wildarten großräumig den Anlagen und ihren monotonen Geräuschen ausweichen.

12.5.2002 13:58