Freitag, 10. Mai 2002

Kirch: Springer-Beteiligung bringt weniger als erhofft

  • Kauf des Paktes noch nicht unter Dach und Fach

Die hoch verschuldete KirchGruppe wird voraussichtlich wesentlich weniger Geld für ihre Beteiligung am Axel Springer Verlag erhalten als erhofft. Der Kaufpreis für die 40-prozentige Beteiligung an Springer werde unter 900 Mill. Euro liegen, hieß es am Freitag bei einer beteiligten Bank in Frankfurt. Zuletzt war von einem Preis von rund einer Mrd. Euro die Rede.

Anders als geplant war der Kauf des Pakets durch ein Bankenkonsortium unter Führung der Commerzbank und Verlagserbin Friede Springer am Freitag noch nicht unter Dach und Fach. "Wir bemühen uns weiter um eine Lösung", sagte ein Sprecher der Commerzbank. Damit widersprach er einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung", wonach der Kauf bereits perfekt sei. Die Commerzbank ist aber nach eigenen Angaben zuversichtlich, dass in der nächsten Woche eine Lösung steht.

...Ursprünglich wollte das Bankenkonsortium noch vor dem Wochenende ein Konzept finden. "Die Dinge waren aber doch sehr komplex", hieß es. Die Zeit drängt, da das Paket sonst der Deutschen Bank zufällt, der die Springer-Aktien als Sicherheit für einen Kirch-Kredit von 720 Mill. Euro dienen. Die Frist endet eigentlich am 12. Mai. Allerdings wird bei dem Bankenkonsortium damit gerechnet, dass die Deutsche Bank noch einige Tage länger wartet. "Sie sieht ja, das sich etwas bewegt", hieß es. Die Bayerische Landesbank bekräftigte, bei dem Kauf mitmischen zu wollen. "Wir sind bereit, da mitzumachen", sagte ein Sprecher der Bank in München.

Die 40-prozentige Beteiligung am Axel Springer Verlag gilt als ein Filetstück der KirchGruppe. In dem weit verschachtelten Konzern gehört sie zur KirchBeteiligungen, die als einzige der drei Kirch-Bereiche bisher keinen Insolvenzantrag gestellt hat. Die HypoVereinsbank hatte Kirch im Februar angeboten, das Springer-Paket für 1,1 Mrd. Euro zu übernehmen. Allerdings war das Angebot an mehrere Bedingungen geknüpft. Anfang Mai war schließlich bekannt geworden, dass ein Bankenkonsortium unter Führung der Commerzbank und Verlagserbin Friede Springer das Paket kaufen will. Die HypoVereinsbank gehört nicht dazu.

Geplant war, dass die Commerzbank rund 40 Prozent des Aktienpakets übernehmen sollte. An die Dresdner Bank sollten rund 30 Prozent gehen und rund 20 Prozent an die Bayerische Landesbank. Die übrigen Aktien sollte Friede Springer übernehmen. Nach Informationen aus Finanzkreisen wird sich aber möglicherweise auch die Deutsche Bank beteiligen. Dadurch würden sich die Anteile verschieben.

Als zweiter der drei Kirch-Bereiche hatte am Mittwoch die KirchPayTV beim Amtsgericht München Insolvenzantrag gestellt. KirchPayTV ist die Muttergesellschaft des verlustreichen Abo-Senders Premiere. Der Sender ist aber nach Worten des Premiere-Chefs Georg Kofler nicht direkt betroffen. Der Sendebetrieb solle uneingeschränkt fortgesetzt werden, versicherte er. Um Premiere aus der Verlustzone zu führen, will er 1.000 der 2.400 Arbeitsplätze streichen und mit Programmlieferanten die Preise nachverhandeln.

10.5.2002 15:22