FORMAT: Die fabelhafte Erfolgsstory des Treichl-Clans
- Wie es die Gebrüder Treichl ganz nach oben schafften
- "Einzelkämpfer" Michael, "Mannschaftsmensch" Andreas

Michael Treichl hat es in Englands Geldadel ganz nach oben geschafft, sein Bruder Andreas brilliert als Erste-Chef: Die Gebrüder Treichl am Höhepunkt ihrer Karrieren angelangt. Das neue FORMAT präsentiert die Erfolgsstory einer Bankerfamilie.
Michael Treichl, 51, liebt es very british. Wenn der Investmentbanker arbeitet, schweift sein Blick gern auf das satte Grün des Londoner Hyde Park; schließlich unterhält Treichl ein Büro in der City, unweit der vornehmen Park Lane. Privat residiert "Michou", so der familieninterne Kosename des knapp zwei Jahre älteren Bruders von Erste-Bank-Generaldirektor Andreas Treichl, nicht minder standesgemäß: in einer backsteinroten, typisch englischen Villa in "The Little Boltons", im edlen Gartenbezirk South Kensington gelegen.
Und am Weekend zieht es den Sohn des legendären Generaldirektors der Creditanstalt-Bankverein, Heinrich Treichl, neuerdings in die Grafschaft Dorset. Dort, 120 Meilen südwestlich von London und nahe der idyllischen Kleinstadt Beaminster, hat er das ideale Stückchen Land (rund 100 Hektar) rund um das aus dem 16. Jahrhundert stammende Anwesen namens Parnham House erworben, um endgültig Wurzeln zu schlagen. "Derzeit ist das Haus eine totale Baustelle. Sobald es einigermaßen restauriert ist, werden wir aber ganz aufs Land übersiedeln", verrät Treichl seine Pläne.
Ein Schloss als Denkmal
Mitte der Neunziger war Treichl noch Investmentbanker bei Warburg, leidenschaftlicher Ferrari-Fahrer und überzeugter Single. Damals hagelte es für ihn noch Schlagzeilen in Österreichs Wirtschaftspresse: Treichl hatte den schwedischen Investor Johan Eliasch bei der Übernahme des HTM-Konzerns von der Austria Tabak beraten. Danach war es still um ihn geworden.
Heute, fünf Jahre später, ist Treichl mit der 39jährigen Elizabeth verehelicht: Ex-Model, Ex-Künstleragentin und Mutter seiner beiden Kinder, außerdem eine der besten Polospielerinnen der Britischen Inseln.
Auch beruflich ist es dem sehr ernsten, "immer höflich und distanten Michael" (sein Vater Heinrich) gelungen, in die nächste Liga aufzusteigen. Er avancierte zum Partner der in London und Düsseldorf domizilierten Investmentgesellschaft Bessemer, Vogel & Treichl, dem europäischen Arm der US-Gesellschaft Bessemer-Holding, die auf Grundlage des Vermögens der tschechisch-amerikanischen Industriellenfamilie von Henry Phipps gegründet worden war.
Väterliches Lob für Erste-Chef Andreas Treichl
Familienoberhaupt Heinrich, der innerhalb der vergangenen vier Jahre fünfmal Opa wurde, wird dort die Taufe seiner jüngsten Enkel, Baby Paul und Charlotte, zelebrieren. Das Jüngste, der zwei Monate alte Paul, stammt aus Andreas Treichls zweiter Ehe mit der Journalistin Desirée Treichl-Stürckh. Und: Bei dieser Gelegenheit wird auch gleich der Fünfziger von Andreas Treichl begangen werden.
Für ihn, den Erste-Chef, hält sein 88jähriger Vater schon jetzt einen verbalen Rosenstrauß parat: "Andreas macht seinen Job großartig. Ich bin voll von Bewunderung." Ein sehr, sehr großes Lob, wie alle wissen, die Heinrich Treichl, den gestrengen Ex-CA-Chef und Grand Seigneur der österreichischen Bankenbranche kennen.
Tatsächlich sind die Gebrüder Treichl, die im elterlichen Palais Salm in Wien-Erdberg aufgewachsen sind, am Höhepunkt ihrer Karrieren angelangt.
Die beiden sind völlig unterschiedliche Charaktere, wie bei Geschwistern nicht selten der Fall: Der Ältere, Michael, ein zurückhaltender Einzelkämpfer, Andreas dagegen §war schon immer einer, der offen auf Leute zuging. Er ist ein Mannschaftsmensch: Er sang im Chor, war Ministrantencapo und wollte vor allem immer alles anders machen als sein Bruder", so Treichl senior. Andreas, meinen auch Freunde der Familie, sei eher seiner weichherzigen Mutter Helga, einer Urenkelin des Ullstein-Verlag-Gründers und begnadeten Übersetzerin, nachgeraten.
"Er weiß doch nicht, was Arbeit bedeutet"
Anhand von Beispielen aus den Biographien der beiden: "Michou" brauchte drei Gymnasien und neun Jahre, um einmal die Matura zu schaffen. An die Erklärung eines seiner Lehrer erinnert sich Heinrich Treichl heute noch mit gemischten Gefühlen. Die lautete nämlich so: "Ihr Sohn wird durchfallen. Kein Wunder, er weiß doch nicht, was Arbeit heißt. Er hat ja auch kein Vorbild."
Andreas dagegen ging ausschließlich ins Wiener Schottengymnasium und ist heute noch im Vorstand der traditionsreichen konservativen Alt-Schotten aktiv.
Schon damals war freilich klar: "Die Faszination des Bankiergewerbes hat sich von Jugend an auf die beiden übertragen", so ein Freund der Familie. Die Clangeschichte dazu: Treichls entstammen mütterlicher- wie väterlicherseits einer Familie, die schon seit Generationen im Bankgewerbe tätig war.
Die ganze Treichl-Saga lesen Sie im neuen FORMAT!

