IG Metall erwartet Aufschwung noch in diesem Jahr
- Gewerkschaft widerspricht der Arbeitgeberprognose

Die IG Metall erwartet entgegen den Prognosen der Arbeitgeber in diesem Jahr einen deutlichen Aufschwung der Branche und sieht damit auch Spielraum für die im laufenden Tarifkonflikt geforderte Lohnerhöhung. Das Ende des Tunnels sei erreicht, erklärte der IG Metall-Vizechef Jürgen Peters am Donnerstag anlässlich der Konjunkturprognose der Gewerkschaft.
Noch im Jänner habe die Branche mit rückgängigen Bestellungen aus dem vergangenen Jahren kämpfen müssen. Doch nunmehr stehe der Aufschwung vor der Tür.
Nach den Berechnungen der IG Metall-Wirtschaftsabteilung hinterlässt der Aufschwung in den USA allmählich auch in Deutschland seine Spuren. Alle Wirtschaftsindikatoren zeigten nach oben. Das gelte sowohl für die Kennzahlen der Gegenwart als auch für die Zukunftsindikatoren. Der vergangene Abschwung habe gezeigt, dass sich nach dem Einbruch der Nachfrage mit zeitlicher Verzögerung die Beschäftigungsaussichten verschlechterten.
"Nicht die Lohnpolitik, sondern der Nachfragemangel ist die Ursache für den wieder beginnenden Konjunkturabbau", sagte Peters. Es habe keinen Sinn, auf den Exportauftrieb zu warten. Vielmehr müsse die Binnenkonjunktur stabilisiert werden. Deshalb wolle die IG Metall im laufenden Tarifkonflikt durchsetzen, dass "deutlich mehr Geld in die Taschen der Arbeitnehmer kommt."
Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall hatte zuvor erklärt, die Betriebe der Branche befänden sich in einer schweren Rezession. Die Produktion der Metall- und Elektroindustrie sei zwischen Februar und März diesen Jahres erneut um drei Prozent gesunken, erklärte Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser. Im Vergleich zum März 2001 betrage der Rückgang acht Prozent.
Schon bei zwei Quartalen ohne Wachstum werde von einer Rezession gesprochen, betonte Kannegiesser. "Wir haben aber bereits im fünften Quartal in Folge eine sinkende Produktion." Die deutschen Firmen steckten daher mitten in einer schweren Rezession. "Die Metall und Elektroindustrie geht förmlich am Krückstock."
Kannegiesser forderte die IG Metall mit Blick auf die laufenden Streiks auf, mit dem nötigen Realitätssinn an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Frühere Prognosen, dass der Aufschwung vor der Tür stehe, hätten sich inzwischen als falsch erwiesen. "Die IG Metall blendet diese ernüchternde Entwicklung einfach aus", sagte Kannegiesser.

