Kirch PayTV stellt Insolvenzantrag
- Abosender Premiere bleibt auf Sendung, nicht direkt betroffen

KirchPayTV, die Dachgesellschaft des deutschen Abosenders Premiere, hat am Mittwoch einen Insolvenzantrag gestellt. Das teilte ein Sprecher des Amtsgerichts München mit. Ein Premiere-Sprecher sagte, der Abosender sei davon nicht direkt betroffen: "Wir werden definitiv weiter senden." Weitere Einzelheiten will das Unternehmen noch am Mittwoch bekannt geben.
Premiere hatte allein im vergangenen Jahr 989 Millionen Euro Verlust gemacht. Die Kosten waren doppelt so hoch wie die Einnahmen. Um Kosten zu senken, hatte der neue Premiere-Chef und KirchPayTV-Geschäftsführer Georg Kofler Ende März angekündigt, ein Drittel der 2.400 Stellen zu streichen, mit Pornofilmen und billigen Einsteigerabos neue Kunden zu locken und mit den Filmlieferanten in Hollywood über Rabatte zu verhandeln. Premiere will nach Informationen aus Unternehmenskreisen versuchen, ohne einen Insolvenzantrag zu überleben. Durch den Insolvenzantrag der Muttergesellschaft könne sich der Sender von der KirchGruppe lösen und die Sanierung dadurch sogar erleichtern, hieß es in Branchenkreisen.
Hauptgesellschafter der KirchPayTV ist Leo Kirchs TaurusHolding mit 70 Prozent. Rupert Murdochs britischer Abosender BSkyB hält 22 Prozent, Finanzinvestoren halten die restlichen acht Prozent. Verhandlungen zwischen den Gesellschaftern, Banken, potenziellen Investoren und Programmlieferanten hatten die Insolvenz aber nicht abwenden können.
Zur KirchPayTV gehören neben Premiere auch das Sendezentrum für ProSieben, Sat.1, Kabel 1, ferner die Multimedia-Aktivitäten des gesamten Kirchkonzerns, der Schweizer Abosender Teleclub und die Beteiligung an GoldStar TV.
KirchPayTV selbst beschäftigt rund 250 Mitarbeiter. Vor genau einem Monat hatte bereits das Kerngeschäft KirchMedia Insolvenz beantragt.

