Dienstag, 7. Mai 2002

Europas Pharma-Firmen machen sich Sorgen

  • 14 Vorschläge für mehr Chancen gegen US-Konkurrenten

Europa drohe als Pharma-Standort gegenüber den USA ins Hintertreffen zu geraten. Um dieser Entwicklung längerfristig gegenzusteuern, hat die so genannte G10-Expertengruppe der EU-Kommission in Brüssel am heutigen Dienstag "14 strategische Empfehlungen für die Absicherung des Pharma-Standortes Europa vorgelegt.

Diese Empfehlungen waren auch Gegenstand eines Hintergrundgesprächs der Pharmig, der Vereinigung pharmazeutischer Unternehmen in Österreich.

Forschungs- und Produktionsstätten würden wegen vergleichsweise schlechterer Rahmenbedingungen zunehmend ins nicht-europäische Ausland abwandern, befürchtet die Pharmig. Europa drohe damit im Bereich der Arzneimittelforschung ins Abseits zu geraten, erklärten Pharmig-Vertreter bei einer Presseveranstaltung in Wien. Das hätte auch den Verlust von Arbeitsplätzen und die Verlagerung von Wertschöpfung in attraktivere Länder zur Folge. Die Patienten könnten nicht mehr wie bisher mit modernen Arzneimitteln versorgt werden.

Die Empfehlungen der G10-Expertengruppe an die EU-Kommission umfassen unter anderem die Forderung, den Marktzutritt neuer Arzneimittel in den Mitgliedsländern gesetzlich so einfach wie möglich zu gestalten. Europa brauche auch einen kompetitiven Markt für Generika, also Medikamenten, die nach Ablauf des Patentschutzes kostengünstig kopiert werden können.

Weitere Empfehlungen: Staatliche Eingriffe bei der Preisregelung sind zu reduzieren, stattdessen sollte der freie Wettbewerb verstärkt zum Tragen kommen. Preisregelungen sollte es nur bei Medikamenten geben, die aus öffentlichen Geldern erstattet werden. Mehr Medikamente sollten ohne Rezept erhältlich sein, der europaweite Informationsaustausch soll verstärkt werden. Weiters sollten auch die Werbebeschränkungen für Arzneimittel aufgehoben werden.

Grundsätzlich zielt das Expertenpapier auf die Absicherung der forschenden europäischen Pharmaindustrie ab. Bürger sollen "im Rahmen der Erstattung" schnellen Zugang zu innovativen Arzneimittel erhalten. Die sinnvolle Vernetzung aller Gesundheitsdaten soll zu einer Effizienzsteigerung führen. Die EU-Bürger sollen aber auch mehr Mitspracherecht bei der Gesetzgebung im Gesundheitsbereich erhalten.

7.5.2002 14:28