Für Libro wird noch Notverkauf versucht
- Maximal ein Monat Zeit, verzweifelte Suche nach Investor
- Vorstand bestätigt: "Haben kein Eigenkapital"

Zehn Monate nach dem Ausgleich steht die Handelskette Libro erneut vor dem Ende. Jetzt wird noch um einen "Notverkauf" gerungen. Bei der akut konkursgefährdeten Buch- und Medienhandelskette ist bestenfalls noch ein Monat Zeit zur Suche nach neuen Geldgebern. Der Vorstand bestätigt: "Wir haben kein Eigenkapital mehr."
"Obwohl uns die Banken bisher sehr geholfen haben, brauchen wir jetzt einen Investor mit frischem Eigenkapital, denn wir haben keines. Ich darf aber auch nicht überreagieren. Es wäre den 2.200 Mitarbeitern gegenüber grob fahrlässig, den Insolvenzantrag zu früh zu stellen", sagt Libro-Chef Werner Steinbauer in einem Bericht des "Standard" (Samstagausgabe). Insider geben der erneut schwer angeschlagenen Buchhandelskette Libro noch maximal bis Mitte Juni Zeit. Bis dahin müsse ein Käufer gefunden sein, oder ein Konkurs sei unvermeidlich.
Die Raiffeisen Zentralbank (RZB) und die Raiffeisen Landesbank Niederösterreich-Wien (RLB) wären - wie von der APA berichtet - bereit, Libro ein letztes Mal mit neuen Krediten unter die Arme zu greifen. Die anderen sieben Institute im finanzierenden Bankenkonsortium - allen voran die Bank Austria und die Erste Bank - wollen nicht weiter "gutes Geld dem vielen schlechten hinterherwerfen".
Rund 20 Mill. Euro braucht Libro sofort, um neue Ware einkaufen und um die nächste Ausgleichstranche, die Ende Juni fällig wird, zahlen zu können. Weitere 20 Mill. Euro müssten bis Ende 2003 in die Erneuerung der 247 Libro Filialen investiert werden. Steinbauer: "Das ist aus eigener Kraft nicht darstellbar."
So läuft die Suche nach einem Käufer, der über eine Kapitalerhöhung einsteigen würde, auf Hochtouren. Interessiert zeigen sich laut "Standard" verschiedene Gruppen von Einzelhändlern, Libro-Lieferanten und Investmentfonds. Rund 15 Interessenten hätten sich bis dato gemeldet, zitiert die Zeitung aus Aufsichtsratskreisen. "Davon ist vielleicht eine Hand voll Leute ernst zu nehmen", sagte ein Banker. Manche - wie Wilhelm Sotsas, Chef des Buchvertriebs WISO, seien nur an den 22 Amadeus-Häusern interessiert. Angestrebt wird aber ein möglichst rascher Komplettverkauf. Hinter den meisten Fonds stehen bis dato unbekannte ausländische Finanzinvestoren. Manche sehen aber noch die Chance auf eine "Österreich-Lösung."

