Sonntag, 12. Mai 2002

Ivica Vastic geht ins Land der aufgehenden Sonne

  • Sturm-Trainer Osim hält Vastic für unersetzlich
  • Kartnig: "Ich kann ihm keine 20 Millionen Schilling hinlegen"

Die größte Niederlage für den österreichischen Fußball-Bundesligisten Sturm Graz setzte es am Sonntag erst wenige Minuten nach dem verlorenen Cup-Finale gegen den Erzrivalen GAK. Kapitän Ivica Vastic verkündete offiziell, den Verein zu verlassen und zumindest für ein Jahr für den japanischen Klub Nagoya Grampus Eight auf Torjagd zu gehen. Der 32-Jährige wechselt ablösefrei ins Land der aufgehenden Sonne. Für Trainer Ivica Osim ist der Abgang des überragenden Spielers der "Blackies" in den vergangenen Jahren ein riesiger Verlust. "So einen Spieler wie Ivo kann man nicht ersetzen."

"Es ist für mich eine neue Herausforderung, es reizt mich dort zu spielen, es erweitert meinen Horizont. Nach der WM wird es in Japan auch gute Voraussetzungen geben", sagt der gebürtige Kroate, der sich vorstellen kann, eventuell länger als ein Jahr in Nagoya zu bleiben. Über seine Zukunft im Teamdress will sich Vastic, der auch seine Familie nach Japan mitnimmt, in den kommenden Tagen mit Teamchef Hans Krankl unterhalten. Die große Entfernung könnte aber Spielverderber sein.

Osim: "Spieler müssen jetzt mehr geben"
Osim sieht im scheidenden Regisseur und Goalgetter eine "Leitfigur. Es ist schwer zu sagen, wie die anderen Spieler reagieren werden. Sie müssen jetzt auf jeden Fall mehr geben, das könnte auch positive Auswirkungen haben." Die Mannschaft müsse nach dem Abgang des "Übervaters" ihren Kinderschuhen entwachsen. "Ivo hat alle wichtigen Entscheidungen auf sich genommen, nun muss die Verantwortung kollektiv übernommen werden", erklärte der Bosnier.

Seiner Mannschaft sei jener Spieler abhanden gekommen, an dem sich dessen Kollegen immer wieder aufgerichtet hätten. "Ivo war immer wichtig für uns, einfach nur weil er da war - egal ob er gut oder schlecht gespielt hat. Auch unsere Gegner hatten Respekt, denn er war unberechenbar", meinte Osim.

Persönlich ist der 61-Jährige von seinem Star-Spieler über dessen Entscheidung nicht in Kenntnis gesetzt worden. "Ich habe es von vertrauenswürdiger Seite schon vor rund eineinhalb Monaten erfahren", sagte Osim, der für den Abgang von Vastic Verständnis zeigte. "Es ist sicher interessant, in Japan zu spielen, und das Geld spielt eben auch eine Rolle."

Kartnig: "Das Leben geht weiter"
Mit dem hochdotierten Vertrag des ÖFB-Teamspielers in Japan konnte Sturm-Präsident Hannes Kartnig nicht mithalten. "Ich kann ihm keine 20 Millionen Schilling hinlegen. Wenn ein Spieler so viel verdienen kann, muss man ihm die Chance dazu geben. Aber das Leben geht weiter, Sturm wird es nach wie vor geben", meinte Kartnig.

Der Sturm-Boss glaubt trotz des Abschieds von Vastic an zukünftige Erfolge seines Klubs. "Jeder ist ersetzbar. Wir sind auch ohne ihn in die Champions League gekommen und haben dort gut gespielt." In der Frage eines adäquaten Nachfolgers hielt sich Kartnig bedeckt. "Wir werden uns umsehen, aber so einen wie Vastic zaubert man nicht vom Himmel."

Vastic behält Haus in Graz
Vastic wird Anfang Juni mit seiner Familie nach Nagoya übersiedeln, sein Haus in Graz wird er zusperren, das heißt nicht vermieten, möglicherweise kommt er ja in absehbarer Zeit wieder zurück. Die Meisterschaft in Japan beginnt im Juli, derzeit läuft ein Cup-Bewerb, in dem Nagoya (Platz fünf in der Liga) aber das Viertelfinale verpasst hat.

12.5.2002 21:25