Donnerstag, 9. Mai 2002

Olympia 2010 in Salzburg: Streit beigelegt

  • Aufsichtsrat segnet Bewerbungspapier ab
  • Bürgermeister Schaden: "Ein guter Tag für Olympia"

"Es war ein guter Tag für Olympia." Sichtlich erleichtert konnte am Mittwoch, kurz nach 17.00 Uhr Heinz Schaden (Bild), Bürgermeister der "Host City" Salzburg, "weißen Rauch" aufsteigen lassen. Das zuletzt heftig "zerrissene" Bewerbungsdokument, das Ende Mai in Lausanne abgegeben werden muss, wurde vom Aufsichtsrat der Bewerbungsgesellschaft einstimmig abgesegnet. Und auch Kitzbühel, das in der Vorwoche als Partner ins Wanken geraten war, ist wieder in vollem Umfang im Boot.

"Das ganze war in drei, vier Minuten erledigt", schilderte Schaden im Anschluss an die Aufsichtsratssitzung die angebliche Krisensitzung wegen Kitzbühel. Bekanntlich gab es aus Tirol ursprünglich eine Zusage über eine finanzielle Beteiligung in der Höhe von 1,45 Millionen Euro. In der Vorwoche wurde dieser Betrag plötzlich auf eine Million Euro gekürzt. Schaden hatte daraufhin gemeint, dass Kitzbühel dann nicht alle zugesagten Bewerbe erhalten könne. Heute Nachmittag besserten die Tiroler ihr Angebot wieder auf insgesamt 1,16 Mio. Euro auf, womit "alles beim Alten" bleibt, so Schaden. In Kitzbühel werden somit - so Salzburg den Zuschlag erhält - die Alpinski-Bewerbe der Herren, Freestyle und Curling ausgetragen.

Das Bewerbungsdokument wurde ebenfalls einstimmig vom Aufsichtsrat verabschiedet. Kleine Änderungen werden jetzt noch vorgenommen, so Michael Schuen, der Sprecher der Bewerbergesellschaft. Unter anderem werde noch der Entschließungsantrag, der nächste Woche im Nationalrat eingebracht wird, ins Papier aufgenommen. Zudem wird es noch redigiert und ins Französische übersetzt. Formal war der Aufsichtsrat die letzte Hürde, so Schaden. Für die Hallen werden die fünf bekannten Standorte aufgenommen. "Es ist nur das Dokument eins, das muss noch nicht so genau sein", sagte Schuen.

Auch der Salzburger Landtag hat sich heute in seiner Ausschuss-Sitzung mit der Olympia-Bewerbung befasst. Die Grünen haben beantragt, dass von unabhängigen Umweltorganisationen ein verbindlicher Ziel- und Kriterienkatalog für ökologische und nachhaltige Winterspiele 2010 erarbeitet werden soll. ÖVP, SPÖ und FPÖ haben den Antrag aber abgelehnt. Umwelt-Landesrat Othmar Raus (S) betonte, dass Salzburg ohnehin vorbildlich in Sachen Umwelt wäre. Die ÖVP sprach sich gegen neue ökologische Standards aus, die über die IOC-Vorgaben hinausgehen. Und die FPÖ meinte, dass bei Annahme des Grünen Olympia-Antrages "durch die Hintertür" Grüne Forderungen - etwa hinsichtlich Bauordnung und Tourismus - hereinkommen könnten.

"Dieser Landtag ist völlig visionslos und hat null Gestaltungsanspruch", meinte der Landessprecher der Grünen, Cyriak Schwaighofer. Die Grünen sehen sich in ihrer Olympia-Haltung jedenfalls bestätigt: "Gängige Umweltstandards zu erfüllen, macht Olympische Spiele noch nicht ökologisch oder gar nachhaltig. Spiele, die Salzburgs Umwelt, dem Tourismus, aber auch Gewerbe und Industrie einen echten Innovationsschub bescheren sollen, müssen viel weiter gedacht werden. Salzburg verdient die Chance Grüner Spiele. Solange aber solche nicht zu erkennen sind, gibt es keine Grüne Unterstützung für Olympia."

9.5.2002 13:18