Freitag, 10. Mai 2002

"profil"-Umfrage: Für 62% ist 8.Mai Tag der Befreiung

  • Nur 18% der Österreicher werten Kriegsende als Niederlage
  • Cap, Häupl und Bures wegen Verleumdung verklagt

62% der Österreicher den 8. Mai 1945 als Tag der Befreiung von der Nazi-Herrschaft. In den Landeshauptstädten liegt dieser Wert laut der im Auftrag von "profil" vom Linzer Meinungsforschungsinstitut market durchgeführten Umfrage sogar bei 72%. Der "Ring Volkstreuer Verbände" hat eine Verleumdungsklage gegen den geschäftsführenden SP-Klubchef Josef Cap, Wiens Bürgermeister Michael Häupl (S) und SP-Bundesgeschäftsführerin Doris Bures eingebracht. Diese hätten die Totengedenkveranstaltung am Jahrestag der Kapitulation von Hitler-Deutschland als "neonazistisch" eingestuft.

Nur 18% der Befragten werten das Kriegsende als Niederlage. Mit 28% besonders hoch ist dieser Wert unter den ÖVP-Sympathisanten.

Burschenschafter kritisieren linke Demonstranten
Ansonsten übten Johann Gudenus (RFJ), Arnulf Helperstorfer (RFS) und Walter Asperl (Korporationsring) heftige Kritik an den linksgerichteten Demonstrationen der letzten beiden Tage. Allein der Polizei sei es zu verdanken gewesen, dass es nicht neuerlich zu Ausschreitungen gekommen sei, erklärte Gudenus. Gleichzeitig übte er Kritik an Innenminister Ernst Strasser (V), weil dieser "Pflastersteine von links" und "Parolen von rechts" in einem Atemzug genannt hatte: "Was ist für einen Polizisten schlimmer. Ein Pflasterstein am Kopf oder eine Parole von rechts?"

Ausdrücklich in Schutz genommen wurde von Asperl der freiheitliche Wehrsprecher Wolfgang Jung nach dessen Aussagen, wonach er sich als Deutscher fühle. Nach Ansicht des Korporationsring-Vertreters handelt es sich bei den Angriffen auf den FP-Mandatar um "unglaubliche Diffamierungen". In Österreich könne sich gemäß Volksgruppen-Gesetz jeder zur deutschen Volksgruppe bekennen. Er selbst beschreibt seine nationale Gefühlswelt folgender Maßen: "Österreich ist mein Mutterland, Deutschland mein Vaterland."

Nur kurz und erst auf Nachfrage nahm Helperstorfer zur umstrittenen Podiumsdiskussion von Donnerstag Abend Stellungen, an der in den Räumen des RFS auch der südafrikanische Rechtsextremist Claus Nordbruch teilgenommen hatte. Helperstorfer zu Folge habe der Gast aus Afrika über die Kriegsverbrechen an Deutschen vor und nach dem Zweiten Weltkrieg referiert. Dem Obmann des Kärntner Heimatdienstes, Josef Feldner, wiederum habe zum Thema "Kollektivschuld und Sippenhaftung" gesprochen. Dass die Veranstaltung von der Uni Wien in ihren Räumen nicht genehmigt wurde, sieht Helperstofer als Sieg der Gewalt über die Meinungsfreiheit.

10.5.2002 14:41