Zehntausende nahmen Abschied von Pim Fortuyn
- Verdächtiger plante möglicherweise noch weitere Attentate
- FORMAT: Schriftsteller macht Politik für Mord verantwortlich
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Der Aufstieg des Rechtspopulisten
Die Trauerfeier für den am Montag ermordeten niederländischen Rechtspopulisten Pim Fortuyn hinterließ am Freitag in Rotterdam den Eindruck eines Staatsbegräbnisses. In der katholischen Kathedrale der Hafenstadt zelebrierte Bischof Adrian van Luyn eine Totenmesse vor 800 geladenen Gästen, darunter praktisch die gesamte Spitze der niederländischen Politik und eine Vertretung des Königshauses. Unter dessen wurde bekannt, dass der mutmaßliche Mörder Fortuyns möglicherweise noch weitere Attentate geplant hat. Bei dem 32-jährigen Umweltaktivisten wurden Namen und Adressen von drei weiteren Kandidaten der Liste Pim Fortuyn (LPF) gefunden.
Fünf prominente LPF-Kandidaten für die Parlamentswahl am kommenden Mittwoch sowie ein Mitglied der Parteiführung haben inzwischen verstärkten Polizeischutz erhalten. Der am Montag erschossene Spitzenkandidat und Namensgeber der Liste war sich nach Angaben aus seiner Umgebung seiner Gefährdung bewusst, nachdem Mordrohungen eingegangen waren.
Zehntausende begleiteten Trauerzug
An den Fernsehgeräten konnten Millionen von Menschen die Direktübertragung der Trauerfeier verfolgen. An den Straßen begleiteten Zehntausende von Menschen applaudierend, singend und mit Bergen von Blumen den Trauerzug.
"Wie bei Prinzessin Diana"
"Wie bei Queen Mum" und "Wie bei Prinzessin Diana", meinten Trauernde unter den Zehntausenden am Straßenrand vor Fernsehkameras. Doch von dem vorwiegend stillen Abschied von den beiden "Royals" in London unterschied sich die Trauer in den Niederlanden in einem wichtigen Punkt: Viele Beileidsbekundungen waren gespickt mit bösen Vorwürfen gegen etablierte Parteien.
Auf Texttafeln und Spruchbändern wurden Regierungsvertreter aus Den Haag und prominente Politiker beschuldigt, das Idol breiter Massen dämonisiert und verteufelt zu haben. "Bloody shame", hieß es dazu auf einem Plakat. "Heute begraben die Niederlande einen Ministerpräsidenten", stand auf einem anderen - Hinweis auf den erwarteten großen Erfolg für Fortuyn bei der Parlamentswahl am kommenden Mittwoch (15. Mai).
Bruder: "Pim Fortuyn war kein Rechtsextremer"
Simon Fortuyn hatte in der Kirche noch einmal betont, dass sein so debattierfreudiger älterer Bruder "ganz bestimmt kein Rechtsextremer" gewesen sei. Er habe sogar sehr darunter gelitten, dass er immer wieder habe klarstellen müssen, wie unzutreffend dieses Etikett sei. Pim Fortuyn habe sein Land geliebt, provoziert, scharfe Formulierungen gebraucht, sei aber auch beim Ausloten der Grenzen des Möglichen humorvoll und menschlich geblieben. "Wir sind stolz auf Dich", versicherte der jüngere Bruder.
In der "ungewöhnlichen Trauerfeier für einen ungewöhnlichen Mann" - so die Fernsehkommentatorin - hatte der Bischof daran erinnert, "wie groß sein Engagement für sein Ideal war, das ihm vor Augen schwebte, und was er damit für andere bedeutete". Niemand lebe für sich allein. Mit der Trauerfeier wolle auch die Kirche "ihren Beitrag zum Protest gegen zunehmende Aggression und sinnlose Gewalt in der Gesellschaft" bekunden.
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