FORMAT über Westenthalers Kampf gegen die ÖVP
- Wie der FP-Klubchef bei der Basis punkten will
- Statt Sacharbeit Angriffe auf den Koalitionspartner

Der FPÖ-Klubobmann fightet mit starken Sprüchen gegen den Koalitionspartner und verfolgt dabei eine besondere Strategie: Er will die Parteibasis für sich begeistern. Die Parteispitze ist von dieser Taktik wiederum nicht besonders begeistert.
Peter Westenthaler war sichtlich gerührt. Als vergangenen Dienstag um halb zwei die Presseaussendung eines Parteifreundes auf seinen Schreibtisch flatterte, war die Woche gerettet. Schwarz auf weiß stand dort zu lesen,
daß Martin Strutz, freiheitlicher Landesobmann von Kärnten, den FPÖ-Klubobmann gegen Angriffe von Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll in Schutz nimmt. Pröll hatte Westenthaler in einem "NEWS"-Interview als "überschätzten Angstbeißer" bezeichnet. "Allein die Art und Weise", ließ Strutz wissen, "wie Pröll über FPÖ-Klubchef Peter Westenthaler verbal herfällt, ist eine Schweinerei, die man nicht mehr länger tolerieren kann."
Unterstützung aus dem Süden hatte es für Westenthaler schon lange nicht mehr gegeben. Schon seit Monaten führen die freiheitlichen Kollegen aus Klagenfurt einen Kleinkrieg gegen Westenthaler. Vergangenen Februar, als der Klubobmann nach offener Kritik an Jörg Haider unmittelbar vor dem Rausschmiß stand, war Strutz einer der vehementesten Befürworter des Westenthaler-Abgangs. Jetzt sei alles anders, glaubt zumindest der Klubobmann. "Ich stehe", sagt Westenthaler zufrieden, "mit meiner politischen Linie in der Partei sicher nicht allein da. Wir haben einen Zusammenhalt wie selten zuvor."
Vorlauter Klubchef
Eine optimistische Einschätzung, hatte es doch erst am Montag eine gehörige Kopfwäsche für den oftmals allzu vorlauten Politiker gegeben. In der freiheitlichen Montagsrunde, dem inoffiziellen Strategiezirkel der Regierungspartei, mußte sich Westenthaler von Parteichefin Susanne Riess-Passer eine äußerst kritische Analyse seiner jüngsten Aktivitäten anhören. Sein missionarischer Kampf gegen die neue ORF-Führung schieße weit übers Ziel hinaus, und die überharten Attacken gegen die ÖVP seien auch nicht eben klug. Daß er zu guter Letzt auch einen Streit mit seinem schwarzen Klubobmannpendant Andreas Khol vom Zaun gebrochen hatte, sorgte für zusätzliches Unverständnis. In FORMAT (19/02) attackierte Westenthaler sein Gegenüber frontal: "Es wurden schriftliche Vereinbarungen nicht eingehalten."
FP-Generalsekretär Karl Schweitzer umschreibt das Problem sehr vorsichtig: "Peter Westenthaler ist ein sehr ehrlicher Politiker. Er sagt immer sofort, was er sich denkt, er trägt sein Herz auf der Zunge." Die Frage, ob diese Vorgangsweise immer gescheit ist, will Schweitzer nicht beantworten.
Stets das gleiche Muster
Die blauen Spitzenpolitiker kennen ihren Klubobmann mittlerweile bestens. Westenthaler agiert stets nach dem gleichen Muster. Auf bemühte Phasen der Ruhe und Sachpolitik folgen hemmungslose Rundumschläge gegen Freund und Feind, die zumeist mit tiefer Frustration und dem offen formulierten Wunsch nach einem Ende der politischen Karriere einhergehen. Wenige Tage nachdem ihm Jörg Haider im Februar in einer Krisensitzung den Kopf gerettet hatte, versicherte der freiheitliche Fraktionschef in einem FORMAT-Interview, daß er seinen "Fokus künftig überhaupt mehr auf die wirklich wichtigen Dinge verschieben" wolle. Politgeplänkel, so Westenthaler damals, "werden Sie von mir nicht mehr hören". Hoffnungsfroher Nachsatz in eigener Sache: "Der Peter Westenthaler wird bis zur nächsten Wahl ein ruhiger, aber aufmerksamer und sehr engagierter Sacharbeiter sein." Aus diesem Versprechen wurde dann doch nichts...
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