Dienstag, 7. Mai 2002

Weltkindergipfel verabschiedet Aktionsplan

  • Kompromiss zwischen USA und den meisten anderen Staaten
  • Sozialminister würdigt Fortschritte in den letzten zehn Jahren

Der Weltkindergipfel der UNO ist nach heftigem Widerstand der USA heute Früh doch mit einer gemeinsamen Abschlusserklärung zu Ende gegangen. In dem Aktionsplan sind aber keine wesentlichen Beschlüsse zum Kinderschutz enthalten, sondern nur allgemeine Bedenken. In strittigen Fragen wie Sexualaufklärung, Abtreibung und Todesstrafe ist es ein Kompromiss zwischen den USA und den meisten anderen Ländern.

Der Plan wurde am Freitagabend zum Abschluss des dreitägigen Weltkindergipfels der UNO in New York von den über 180 Teilnehmerstaaten verabschiedet. Bis zuletzt wurde um den Wortlaut des Schlussdokuments gerungen.

Der stellvertretende deutsche UNO-Botschafter Hanns Schumacher, der die Verhandlungen über das Schlussdokument leitete, zeigte sich erleichtert. Nach mehrtägiger harter Arbeit habe man ein wirklich nettes Baby zur Welt gebracht, sagte Schumacher.

Nach den Worten von Carol Bellamy, der Exekutivdirektorin des Weltkinderhilfswerks (UNICEF), konzentriert sich der Aktionsplan mit dem Titel "Eine kindgerechte Welt" auf vier wesentliche Bereiche: Gesundheitsförderung, Zugang zu umfassender und qualifizierter Ausbildung, Schutz der Kinder vor Gewalt und Ausbeutung sowie Kampf gegen Aids.

Bellamy betonte, wenn die Teilnehmer ihre Versprechen einhielten, könnten in weniger als einer Generation "enorme Fortschritte" erzielt werden. Das 24-seitige Programm sei ein "entschiedenes Bekenntnis zu den Rechten der Kinder". Nichtregierungsorganisationen kritisierten dagegen, die europäischen Staaten hätten im Laufe der Verhandlungen der US-Regierung zu sehr nachgegeben.

Die USA konnten sich mit ihrer restriktiven Haltung zur Abtreibung nicht durchsetzen. Dagegen kann es die Regierung von Präsident George W. Bush als Sieg verbuchen, dass die USA in dem Papier nicht zu einem Verbot der Todesstrafe oder lebenslanger Haftstrafe für Jugendliche unter 18 Jahren verpflichtet wurden.

Der New Yorker Weltkindergipfel war die wichtigste internationale Konferenz über die Kinder der Welt seit mehr als einem Jahrzehnt. 1990 waren die UNO-Mitgliedstaaten das letzte Mal zusammengekommen, um über die Rechte der Kinder zu diskutieren. Zum ersten Mal hatten auch jugendliche Delegierte vor der UNO-Generalversammlung gesprochen. Nach Bellamys Worten ist der Erfolg des Gipfels auch ihr Verdienst.

7.5.2002 22:10